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Project ScorpioXbox ist am Zug

Hannes Letsch @Tohanwabones

Es ist bereits die dritte Neuauflage innerhalb einer Generation: Nach der „Xbox One“ und der „Xbox One S“ wurde am 06.04.2017 „Project Scorpio“ erstmals näher vorgestellt – zumindest was das Innenleben betrifft, sind nun einige Fragen geklärt. Manch einer ist euphorisch während andere eher skeptisch sind, denn im Moment ist sehr ungewiss, welchen Platz Microsofts neueste Konsole innerhalb der Videospielwelt einnehmen wird. Allerdings sind die ersten Eindrücke zur Technik der Scorpio beeindruckend. Die Daten, die DigitalFoundary exklusiv veröffentlichen durfte, deuten in die Richtung, dass es sich nicht nur um eine verbesserte „Xbox One“ handelt, sondern dass sie eher den Platz als deren Nachfolger sichern könnte.

Technische Daten verschiedener Konsolen
Xbox One Playstation 4 Playstation 4 Pro Project Scropio
Teraflops (FP32) 1,3 1,8 4,2 6,0
Recheneinheiten 12 18 36 40
Shader-Einheiten 768 1152 2304 2560
GPU-Taktrate (MHz) 853 800 911 1172
GPU-Basis AMD Jaguar AMD Jaguar AMD Polaris Spezielles AMD Design
Speicher 8,0 GByte DDR3 + 32 MByte eSRAM 8,0 GByte GDDR5 8,0 GByte GDDR5 12,0 GByte GDDR5
Speicherbandbreite 68 GByte/s + 150 GByte/s 176 GByte/s 218 GByte/s 326 GByte/s
Speichertakt 2.132 MHz 5.500 MHz 6.800 MHz 6.800 MHz
CPU-Kerne 8 8 8 8
CPU-Takt (GHz) 1,8 1,6 2,1 2,3
CPU-Basis AMD Jaguar AMD Jaguar AMD Jaguar AMD Jaguar (angepasst)
Fertigung (nm) 28 28 16 16
Quelle: GamePro

Eine komplettere 4k-LösungDas Kratzen am Nativen

Microsoft machte im Vorfeld immer wieder deutlich, dass es sich hierbei um eine gehobene „Xbox One“ handelt, ein Luxusmodell für all jene, die finanziell fest genug stehen, um die noch nicht flächendeckend etablierte 4k-Technologie ab sofort ins Wohnzimmer zu holen. Die technischen Daten beweisen das Versprechen „natives 4k-Erlebnis“ per Konsole erleben zu können, genauso wie DigitalFoundarys Bericht, dass die Engine hinter „Forza“ nativ in Ultra High Definition spielbar ist. Zudem verspricht man sich von diesem „Powerhouse“ bessere „Framerates“, kürzere Ladezeiten und so weiter für einige bereits auf der „Xbox One“ oder der „Xbox 360“ erschienen Titel. Damit ist die „Scorpio“ numerisch gesehen die Konsole schlechthin für alle 4k-Ethusiasten. Gleichzeitig ist sie aber technologisch derart neu und im Vergleich zu ihren Vorgängern insoweit fortgeschritten, als dass die Spekulationen um den endgültigen Kaufpreis und exklusive Spieletitel hochkochen. „Project Scorpio“ wird nicht selten als eine Art Brückenbauer hin zur neuen Konsolengeneration definiert, die bis jetzt ausschließlich ein Wunschkonzert engster Konsolenenthusiasten ist.

Kritisch betrachtet ist die „Scropio“ aufgrund der angebotenen Videospiele gewiss keine sogenannte „next-gen“ Konsole, was automatisch das Finanzielle ins Zentrum der Debatte zieht, denn sie steht somit in direkter Konkurrenz zur PlayStation 4 (Pro) oder auch der Nintendo Switch, dem Wii U Ersatz. Selbst wenn sie eine luxuriöse Konsole ist, so wäre ein Preispunkt von 500 bis 650 US-Dollar (Schätzung nach Dan Tack von Game Informer) durchaus happig.

Sony musste beispielsweise schmerzliche Erfahrungen mit der „PlayStation 3“ hinnehmen, die zum Start 599€ / 599 US-Dollar kostete und damit vielen Interessenten trotz der neuartigen Cell-Technologie zu teuer war. Technologie war für die breite Masse kein Kaufgrund, sodass sich die „PlayStation 3“ wirtschaftlich für Sony als die schlechteste Konsole bisher herausstellte.

Nebenbei muss bemerkt werden, dass laut dem Leiter der Xbox-Sparte, Phil Spencer, alle auf der Xbox erscheinenden Spiele auch gleichzeitig im Windows 10 Store angeboten werden. Der PC wird dadurch ebenfalls zum Konkurrenten, wobei Konsolen fast immer das Nachsehen im Bereich des Preis-Leistungs-Verhältnisses haben. So gut sich „Project Scorpio“ auf dem Papier liest, der Preis könnte ein erster Stolperstein werden. Der Konsolenmarkt ist erfahrungsgemäß so beschaffen, dass er eher Konsumenten anzieht, die eine sofortige Betriebsbereitschaft („Plug and Play“), bombastische Inszenierung und gute Spielmechaniken erwarten und sich nicht primär darum scheren, welche Leistung unter der Verdeckung wartet. Sollten sich die Spekulationen seitens Tacks o.Ä. bewahrheiten, könnte der Preis die „Scorpio“ in Konkurrenz zu PlayStation und Nintendo aus dem Erfolgsrennen werfen.

Motor ohne Benzin?Scorpio und die Spiele

„Project Scorpio“ scheint die Lösung für ein Problem zu sein, das für Microsoft nicht wirklich existierte – die seltsame Kinect Odyssee sei hier ausgenommen. Die Frage nach der Leistung stellte sich zwar bereits zu Beginn dieser Konsolengeneration, weil viele Werke unabhängiger Studios und Publisher im Vergleich zum Konkurrenten „PlayStation 4“ nicht in Full HD ausgegeben wurden – spielbar waren sie aber allemal. Seit längerem kämpft die „Xbox One“ mit einer regelrechten Flaute im Bereich der Software. Die Liste der geplanten (exklusiven) Veröffentlichungen im Jahr 2017 ist im Vergleich zu Sonys PlayStation ein schlechter Witz. Es fällt schwer mehr als fünf Titel zu nennen, die einen Kauf einer Xbox dieses Jahr rechtfertigen würden, während Sony bis jetzt bereits mit „Gravity Rush 2“ (SIE Japan Studio, Project Siren, 2017), „Horizon Zero Dawn“(Guerrilla Games, 2017), „Nioh“ (Team Ninja, 2017), „NieR: Automata“ (Platinum Games, 2017) oder „Persona 5“ (Atlus, P Studio, 2017) einige interessante, exklusive Videospieltitel im Konsolenbereich für sich verbuchen kann. Diese Baustelle ist momentan der größte Kritikpunkt, der auch den Erfolg der „Scorpio“ negativ beeinflussen kann. Eine Konsole ohne technische und/oder noch wichtiger spielerische Exklusivität vereint auf sich wenig Kaufkraft.

Aufbau des Innenlebens der neuen Konsole namens Scorpio

Es bleibt die Frage, ob wenigstens unabhängige Entwicklerstudios und Publisher auf „Project Scorpio“ setzen? Die Antwort darauf ist genauso vage, weil diese sich in einer großen Zwickmühle wiederfinden, wenn sie ein Spiel für verschiedene Plattformen veröffentlichen wollen. Die Bandbreite verschiedener maximaler Rechenleistungen wird durch die „Scorpio“ nochmals erweitert, nicht reduziert. Somit müsste man eher blind auf Microsofts neue Konsole setzen – was mehr ein Glückspiel als eine Planung wäre - oder aber man entwickelt aus Rücksicht auf die „PlayStation 4“ und sogar die „Switch“ von Nintendo an dem eigentlichen Potential vorbei.

Die Idee alle technische Fragen im Vorfeld der kommenden E3 zu beantworten, ist geschickt. Dadurch ist sichergestellt, dass der Fokus im Sommer rein auf den kommenden Spielen liegen wird. Die E3 war nie eine Messe, die technologische Neuerungen präsentiert. Es geht einzig und allein um interessante Spiele, die Vorfreude generieren, welche wiederum möglichst in Vorbestellung umgemünzt werden soll. Ein weiteres Problem, das die Playstation 4 Pro bereits zeigte, ist, dass am Bildschirm die Vorteile einer 4k Konsole nicht wirklich überzeugend präsentiert werden können, erst recht nicht, wenn dieser ausschließlich FullHD Bilder zeigt. Ähnlich zu VR muss der Kunde das Produkt ausprobieren, um die Vorteile erfahren und begreifen zu können. Ein Argument eines Upgrades ist also abseits höherer Details in dargebotenen Videospielsequenzen, dem Kunden schwer zu vermitteln, zumal erst vor kurzem mit der Xbox One S als Upgrade geworben wurde.

Nichtsdestotrotz: Der Konjunktiv muss noch mehr als bei der Nintendo „Switch“ betont werden und es bleibt abzuwarten, wie Microsoft auf der E3 auftreten wird und vor allem, was und wie viele Videospieltitel sie ankündigen. Womöglich wird „Project Scorpio“ ob der hohen Rechenleistung als erste, echte VR kompatible Konsole angepriesen? Vielleicht werden sämtliche Neuveröffentlichungen im Moment zurückgehalten, umso imposanter auf der E3 zu glänzen? Die Zeit bleibt Richter.