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Metal Gear Solid V: Ground ZeroesWarum so kurz, Herr Hideo Kojima?

Hannes Letsch @Tohanwabones

Entwickler
Konami
Plattformen
PS3, PS4, Windows, Xbox One, Xbox360

Eigentlich sollte „Metal Gear Solid“ seinen ersten großen Auftritt auf der Pixelwarte im Jahre 2015 mit „The Phantom Pain“ (Konami) bekommen, doch angesichts dessen, dass „Ground Zeroes“ (Konami, 2014), ein Prolog zu „The Phantom Pain“ nun erstmals zu einem Preis erhältlich ist, den man für eine bessere Demo als gerechtfertigt bezeichnen kann, entschied man sich doch dafür, „Ground Zeroes“ vorzuschieben und damit gleichzeitig einen vorausschauenden Blick auf das eigentliche Spiel, „Metal Gear Solid V: The Phantom Pain“ zu werfen.

Video abspielenMetal Gear Solid V Ground Zeroes Launch Trailer

Demo, PrologVielsprechendes, zu kurzes Spiel

Das Wort „Demo“ ist hier sicherlich nicht herabwürdigend gemeint, es geht mehr um die Spielzeit, die maximal drei bis vier Stunden für unerfahrene Spieler betragen dürfte; einige bezwangen das Spiel in sechs bis zehn Minuten. Es ist kein komplettes Spiel, es ist ein Prolog, der Lust auf mehr machen soll. Macht dieser Mangel an Inhalt „Ground Zeroes“ zu seinem schlechten Spiel? Die Antwort ist einfach und direkt: Ganz gewiss nicht.

Big Boss ist wieder im Einsatz

Startet man das Spiel, sieht die ersten Szenen über den Bildschirm flimmern und hört dabei die alt bekannten Sounds im Menü beziehungsweise im Spielbetrieb selbst, beschleicht den Spieler stark nostalgisch angehaucht eine gewisse Euphorie. Man freut sich „Big Boss“ wieder im Einsatz zusehen und lässt sich gerne mitreißen. Dieses „Metal Gear Solid V“ ist zumindest im vorliegenden Prolog beeindruckend detailreich und perfektionistisch entwickelt worden. Die Grafik ist beeindruckend, die Zwischensequenzen integrieren sich fließend in den Spielverlauf, obwohl die Videos überraschenderweise nicht komplett mit dem optisch wunderschönen Eindruck im Spielbetrieb mithalten können. Alles läuft flüssig, ein Spiel, das für „Triple A“ definitiv stehen darf und soll. Die Steuerung fühlt sich wie die Vorgänger auf diversen Konsolen an: Etwas unrund und manchmal auch etwas kompliziert. Eine Rolle vorwärts ist beispielsweise nicht ein einfacher Tastendruck sondern eine eher komplexe Tastenkombination auf dem Gamepad. Das Zielen fühlt sich etwas steif an, da es aber nicht Kern des Spiels ist, dürfte dies nicht allzu sehr stören, zumal dieses Steifheit durch Sensitivitätsnachjustierungen deutlich verringert werden kann.

Was ändert sich im V. Teil?Veränderungen durch verbesserte Technik

Sicherlich ist Information alles, aber wer beispielsweise dieser Skull Face ist verrät das Spiel nicht.Die Spielmechanik lässt sich hier genauso wenig bitten: Sie beinhaltet abwechselnde Schleich- und Actionmomente, während man versucht, einige der fünf Missionsziele zu erledigen. Dabei steht es jedem Spieler offen, auf welche Art und Weise er diese löst: Schleichen oder Schießen, das bleibt jedem Spieler von Situation zu Situation selbst überlassen. Obwohl die intelligente KI (Künstliche Intelligenz) teilweise vorhersehbar reagiert, handelt sie auch des Öfteren überraschend (und das im Positiven). Wird man also beispielsweise entdeckt, reicht es nicht, wie in „Assassin‘s Creed“ (Ubisoft, zuletzt Assassin's Creed: Unity, 2014) einfach unbemerkt in einen nahegelegen Heuhaufen zu springen. Die feindlichen Soldaten untersuchen weitläufig alle denkbaren Verstecke und selbst wenn man in dichtem Gebüsch liegt wird dieses per Taschenlampe durchleuchtet. Steht auch nur ein Ellbogen hervor, geht das Katz und Maus-Spiel von vorne los. Optional beinhaltet „Ground Zeroes“ das einschaltbare „Reflex System“, das einem bei Entdeckung in Zeitlupe eine allerletzte Chance gewährt, den Entdecker doch noch kaltzustellen, bevor er Alarm schlägt.

Information ist alles, vor allem wenn man sich in geheimer Mission befindet. Das Markierungssystem erlaubt einem in Kombination mit dem Fernglas, sich ein Bild von der Umgebung zu verschaffen, um den selbst gesteckten Schleichweg zu planen und zu validieren. Die Zentrale gibt zusätzliche Informationen zu den Objekten, die man durch das Fernglas erspäht hat, durch. Selbst wenn nur einige Momente wirklicher Handlung und Geschichte im Spiel vorhanden sind, sind diese fesselnd: „Metal Gear Solid V“ beschäftigt zwar eindeutig mit militärischen Inhalten, allerdings auf eine Art und Weise, die dem ganzen wirkliche Tiefe und Emotion verleihen könnten.

Schöne AussichtenGround Zeroes gibt keine Chance zum Einstieg

„The Phantom Pain“ hat damit also gute Aussichten, man kann tatsächlich die Prognose stellen, dass dieser Titel einer der herausragenden des kommenden Jahres wird, solange es das, was „Ground Zeroes“ erahnen lässt, konsequent fortführt oder sogar verfeinert. Obwohl die Aussichten so rosig sind, versucht „Ground Zeroes“ leider nicht einmal, einen gewissen Tiefgang vorzubereiten. Der Prolog ist dafür zu kurz und fliegt auch nur so am Spieler vorbei. Es gibt keinen Kontext und keine Erklärungen zu den verschiedenen Charakteren, denen man begegnet - wer ist beispielsweise dieser Skull Face? Keiner weiß es und die Erkenntnis dürfte auch erst mit dem Hauptspiel kommen. „Ground Zeroes“ fehlt einfach die Zeit, um inhaltsvolle Momente zu schaffen und es endet zu abrupt, sodass der Spieler überrascht und eher enttäuscht zurückgelassen wird. Enttäuschend ist auch das Stichwort bezüglich der Tatsache, dass das ursprüngliche Codec Dialog System nicht mir vorhanden ist. Die Versteckmöglichkeiten, beispielsweise mit Hilfe einer einfachen Schachtel, sind im Spiel nicht enthalten. Eigentlich sollte es auf einer Militärstation doch möglich sein, zumindest ein paar Kartons oder andere Versteckmöglichkeiten zu finden als nur Wände und unzugängliche Zelte. „The Phantom Pain“, wird hier aber ausgiebig Abhilfe schaffen, soviel ist aufgrund der verschiedenen offiziellen Ankündigungen seitens der Entwickler jetzt schon gewiss.

Video abspielenMetal Gear Solid V: The Phantom Pain E3 Gameplay Demo

Klar wird jedoch: „Ground Zeroes“ ist für Fans gemacht. Für Neueinsteiger erschließt sich zu keiner Zeit der wirkliche Tiefgang der Reihe. Man muss im Gegenteil sogar Vorwissen mitbringen, damit einem beispielsweise sofort klar ist, wer der „Big Boss“ ist und welche Rolle er im Spiel einnimmt. Lange Kampagnen, gut inszenierte Zwischensequenzen, herausfordernde, packende Bosskämpfe, all das findet sich in „Ground Zeroes“ nicht, sind aber substantiell wichtige Säulen eines „Metal Gear Solid“. „Ground Zeroes“ ist damit ein sehr kurzes, inhaltlich mageres Spiel, das nicht mehr als eine Demo ist, für eingefleischte Fans und Lust auf mehr machend - und dabei zumindest visuell und spielmechanisch Vorfreude auf das Hauptspiel macht. Aber auch nicht mehr.