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Mortal Kombat XDas zehnte Mal wird es blutig

Hannes Letsch @Tohanwabones

Entwickler
NetherRealm Studios
Plattformen
PS4, PS3, Xbox One, Xbox360, Windows

Mortal Kombat geht in die zehnte Runde, allerdings zum ersten Mal auf den neuen Konsolen Playstation 4 (Sony, 2013) und Xbox One (Microsoft, 2013), mit neuen Kämpfern und oben drauf ist es für die Entwickler der NetherRealm Studios der Nachfolger des bisher erfolgreichsten „Mortal Kombat“ aus dem Jahr 2011. Damit hat der zehnte Ableger eine Herkulesaufgabe zu bewältigen, weshalb bestimmt auch die Entwickler etwas nervös sein dürften; zumal das kommende Spiel eben die zehnte Auflage ist und dementsprechend zum zehnten Mal überzeugen muss, weshalb es spielenswert und nicht einfach nur eine Wiederholung vorheriger Ausgaben sein sollte.

Video abspielenWho's Next? - Official Mortal Kombat X Announce Trailer

Die Mischung machtsNeue und alte Gesichter

„Mortal Kombat“ ist unumstritten eines derjenigen Beat 'em up Videospiele, das es bisher neben einem hohen Bekanntheitsgrad verstand, eine gute bis sehr gute Einzelspieler-Erfahrung zu präsentieren. Die Erwartungen sind in diesem Segment deshalb unverändert hoch, schließlich möchte kein Freund der Spielereihe etwas missen, was ansonsten wie selbstverständlich in jeder Vorgängerausgabe vorzufinden war.

Die neunte Instanz der Serie verstand sich als eine Hommage an die ersten drei Ableger der Reihe und ließ dennoch das Mortal Kombat-Universum nicht unangetastet: Eine beträchtliche Anzahl an Charakteren wurde im Laufe der Geschichte ins Jenseits geschickt, sodass nun Plätze für neue Kämpfer frei sind - welche das sein werden, wird natürlich seitens der Entwickler bisher nicht verraten. Einige Fakten wurden dennoch bereits enthüllt: Die Geschichte zum zehnten Gekloppe findet 25 Jahre nach den Ereignissen im neunten Teil statt. Sicher ist, dass Altbekannte wie „Sub-Zero“, „Scorpion“ und „Raiden“ (siehe folgendes Video) mit ihren fast schon legendären Kampfbewegungen dabei sind. Die Zahl der Charaktere dürfte genauso groß sein, wie beim Vorgänger. Generell scheint die Darstellung der Charaktere seriöser, weniger verspielt mit kaum übertriebenen Rüstungen oder knallbunten, lustigen Gewändern.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Entwickler nicht nur Coolness als Maßstab für die Entwicklung neuer Charaktere haben. Zumindest mache ich das am Duo „Ferra“ und „Torr“ fest, die es mir insoweit angetan haben, als dass es sich hierbei um ein Tandem handelt, das die Zweisamkeit für sich intelligent im Kampf nutzt. Sofern das Konzept konsequent durchgesetzt wird, könnte dies eine neue Art des virtuellen Vermöbelns sein.

Das GameplayWas macht Mortal Kombat X aus?

Weitergehend haben sich die Entwickler noch eine weitere Variation – im wahrsten Sinne des Wortes - einfallen lassen: Es gibt nun drei mögliche Kampfstile pro Charakter. Während die generellen Kampfbewegungen eines Charaktersets die gleichen bleiben, was die Spielbarkeit des Charakters homogen halten dürfte, sind leichte Abänderungen durch die drei verschiedenen Profile dennoch möglich. In jedem Fall eine nette Idee, da sie das zuvor schon beschriebene taktische Vorgehen, das bei „Mortal Kombat“ unerlässlich ist wenn man Kämpfe für sich entscheiden will, unterstreicht. Allerdings wirft solch eine Änderung automatisch wieder die Frage der Fairness auf den Plan. Die Diskussion, ob jeder Kämpfer jeden anderen schlagen kann, war schon immer ein Streitpunkt. Wirft man nun noch drei verschiedene Profile eines Kämpfers in den Ring, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es an einer Stelle zu unfairen Kämpfen kommen könnte. Betrachtet man das nachstehende Video zu „Raiden“, könnte man ab und an dazu geneigt sein zu sagen, dass dieser Kämpfer schon fast zu stark ist, wenn man ihn beherrscht:

Video abspielenMortal Kombat X: Raiden Official Trailer

Neben der für „Mortal Kombat“ typischen Brutalität der Kämpfe, auf die ich später noch zu sprechen komme, zeichnet sich die Reihe ähnlich wie „Tekken“ dadurch aus, dass taktisches Vorgehen im Sinne des Wissens um die Stärken des eigenen Kämpfers und die Schwächen des Gegners entscheidend ist. Stumpfes, blindes auf die Tastenhauen kann ab und an zwar zum Erfolg führen, aber nur gewolltes Kämpfen ist relativ zu den anderen Spielmethoden am besten. „Mortal Kombat X“ bildet dabei keine Ausnahme: Das Spiel ist schnell und soll nach den Entwicklern auch beabsichtigter Weise schnell gehalten werden. Im Vergleich zu früheren Arbeit „Injustice: Gods Among Us“ (NetherRealm Studios, High Voltage Studios , 2013) aus dem vergangen Jahr liegt der Fokus auf der Schnelligkeit, obwohl wie in „Injustice“ eingeführt, nun die Umgebung als Waffe eingesetzt werden kann. Über diese Tatsache kann man etwas die Nase rümpfen, denn es kam oft genug vor, dass man sich in „Injustice“ beispielsweise wissentlich nahe an einen Tisch bewegte und darauf wartet, dass der Gegner nah genug ist, damit er den Tisch volle Breitseite abbekommen kann. Das Spielgefühl kam durch das taktische Vorgehen in dem Fall fast zum Erliegen. Auf der anderen Seite muss entgegengehalten werden, dass ein Kämpfer wie „Raiden“ sich als Blitzgott über weite Strecken teleportieren kann, sogar in den Rücken des Gegners. Man darf darauf gespannt sein, inwiefern die Integration der Kampfumgebung in die Spielmechanik sich negativ oder positiv auswirken wird und ob „Mortal Kombat X“ hinsichtlich der versprochenen Schnelligkeit nicht darunter leidet.

Bis aufs BlutX-Ray und Fatalities

Das Wort „Fatality“ gesprochen in einer sehr dunklen Stimme, steht für Mortal Kombat wie „I’ll be back“ für den Governator Arnold Schwarzenegger. Allerdings beinhalten die in „Mortal Kombat X“ bisher bekannten „Fatalities“ eine nie dagewesene Brutalität. Die ursprüngliche Idee hinter diesem Spielelement ist, dass die Eigenheiten eines Charakters in solchen kampfbeendenden Animationen zum Ausdruck kommen sollen. So grotesk und brutal diese Animationen auch ausfallen, sie stehen vielleicht auch genau wegen des Grotesken für den jeweiligen Charakter. Was bisher dazu erschienen ist, hinterlässt aber eher den Eindruck als ginge es darum, möglichst brutal, ab und an sogar ins Pornographische hineingehend, Gewalt darzustellen. Definitiv waren auch die Vorgänger recht gewaltverherrlichend, aber einen Witz oder kurze Momente, in denen man zumindest ins Schmunzeln kommt und die Stimmung dadurch aufgelockert wird, fehlen im neusten Teil bisher. X-Ray Ansichten und die wiederkehrenden Bone-Breaking Momente, in denen man wie in einem animierten Röntgenbild die Auswirkungen des Schlages im Körperinneren sieht, leisten ihren Beitrag dazu, dass die Brutalität zumindest gefühlt eine neue Ebene erreicht hat. Zwar sind nur einige „Fatalities“ bisher veröffentlicht, sollten dennoch alle dem Trend folgen, stellen sie keinen wirklichen substanziellen Inhalt des Spiels dar: Weder tragen sie etwas zum Spielfluss bei, noch bereichern sie auf inhaltlicher oder unterhaltender Ebene das Spiel. Es wäre schade, sollte reine Gewalt dieses Spielelement komplett bestimmen, zumal wohl möglich viele Serien-Fans sich auch wegen dieser Momente das Spiel gerne kaufen, selbst wenn es nur eine verbesserte Kopie des Vorgängers wäre.

Mortal Kombat X haben wir auf der Gamescom angespielt. Die im Artikel verwendeten Bilder stammen vom Warner Bros.' Presseserver. Die komplette journalistische Arbeit orientiert sich an unseren ethischen Grundsätzen.