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Die Ware Mensch: Protokoll zu den Game Awards 2018 aus der Sicht eines Hobbyredakteurs

von Kim Sofer Matthias

Frei nach der Floskel „Es ist mal wieder soweit“ erlaube ich mir, wie jedes Jahr, meinen persönlichen Spaß vor dem Livestream der „Video Game Awards“ in einem der vielen begleitenden Chats. Dieses Mal wird YouTube genutzt, weil Spike TV dieses Format nicht mehr produziert oder besser, weil es den Sender schlicht und ergreifend nicht mehr gibt. Jede Menge an Phantasienamen potentieller Spiele werden gepostet, um dem völlig überdrehten „Hype“ der zehn- bis hundertjährigen Videospielaffinen zu beflügeln: „Fallcry“, „Spidermom“, „Dark Moles“. Es kann nicht nur viel an sich gelesen werden, sondern auch „neben der Spur“ lässt man sich ordentlich aus.


06.12.2018 | 23:36 Uhr

7.710 Zuschauer und ich warten bereits auf den Auftritt des wohl erfolgreichsten Moderators der Gaming Branche namens Geoff Keighley, der frühere, großartige Moderator eines Projektes, als die Easy Allies noch GameTrailers hießen, bei Viacom unterkamen und von dort ihre Shows nicht nur auf einem bisher unerreichten Format präsentierten, sondern auch den heute flächendeckend beschworenen Hype um das Videospielen beflügelten und somit mehr oder minder erfanden.

Ebenso frei nach der Floskel „Das waren noch Zeiten“, in denen es den großartigen „Annoyed Gamer“ namens Marcus Beer gab, der Mann, der vielen sowie einem persönlich von Anbeginn des Interesses an eigenem Inhalt den richtigen Weg wies, immer auf der Hut zu sein, vor „falschen“ Videospielen und dem „eigenen Herzen und Verstand“ bei der Bewertung von schlechter, herzloser Industrieware zu folgen. Das war im Jahr 2006. Zwölf Jahre später, in denen diese Industrie eine „Lanze nach der anderen brach“; egal ob im Limbo der Schmerzgrenzen, wie „Fallout 76“ (Bethesda, 2018), Blizzards „Diablo Immortal“, der Crunch-Time-Problematik bei Rockstar Games oder im Stabhochsprung der Herzen, wie „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ (Nintendo, 2017), „The Witcher 3: Wild Hunt“ (CD Projekt Red, 2015) und natürlich „Horizon Zero Dawn“ (Guerrilla Games, 2017).


07.12.2018 | 00:18 Uhr

Noch circa zwei Stunden, während 8.835 Kunden auf die Berieselung der Videospielbranche aus den USA warten und ich bin mittendrin. Der Chat schießt vorbei, als wenn es um die letzten Stunden der Erde ginge. Keine Chatmeldung ist mehr sinnvoll lesbar, sie überschlagen sich nur und wetteifern noch um Hirnlosigkeit und überflüssigen Botschaften - und ich mache mit.


07.12.2018 | 00:31 Uhr

Schon 9.126 Nutzer nach weiteren dreizehn Minuten. Ich will nicht lügen: Ich bin jedes Mal nach den vergangenen Video Game Awards ein wenig mehr enttäuscht gewesen, gleichzeitig vollgestopft mit Trailer-Bildern, denn darin sind die Amerikaner immer noch Meister: Im Bewerben ihrer immersiven Produkte in der Hollywood typischen Art und den Lippenbekenntnissen derer, die die Oberhoheit über unser aller Sehnsüchte, ob Saudi Arabien, China, Russland oder Europa bisher mit immer wiederkehrender kreativster Leichtigkeit und präziser Zielgenauigkeit im Konsumverhalten befeuern und nicht erwartbar machen. Die Währung sind die Eindrücke, die Kosten sind die Crunch-Zeiten. So mancher „Hype“ startet hier ungezügelt und wer, wie zum Beispiel Hideo Kojima, weiß, wie man sich die über Jahre aufgebaute Beziehungen zu Geoff Keighley nutzbar macht, der darf sich heute unter den Auserwählten sehen, der dem Olymp eben dieser Videospielbranche innewohnt und von ganz weit oben selbst Riesen, wie Konami, in den eigenen Schatten stellt.

Keighley war damals noch ein ganz winziges Licht in der Berichterstattung der amerikanischen Videospielbranche und wurde gewissermaßen zum selbsternannten Gentleman-Moderator der medialen Hysterie, ohne auch nur den Hauch des Ruchbaren am Kittel zu haben. Es sind jedenfalls die Amerikaner, die diesen Markt regieren und die Japaner lassen sich dabei gerne beraten, wie man am Beispiel von Nintendos Sprachrohr Reginald „Reggie“ Fils-Aimé eindrucksvoll sehen kann. Die japanische Switch Konsole wäre sicherlich nur halb so erfolgreich, wenn nicht ein amerikanischer Berater im Team wäre. Ich bin nicht nur fest überzeugt, sondern finde mit schnellen Klicks auf Wikipedia darüber folgenden Satz zum Thema „Marketing und Nintendo“:

Dunaway was succeeded by Scott Moffitt in May 2011. Moffitt previously worked at Henkel and Pepsi Co, and was tasked with providing new life to the Nintendo 3DS and Wii. In August 2015, Scott Moffitt was succeeded by Doug Bowser as the Senior Vice President of Sales and Marketing. Bowser had previously been the VP of Sales, coming to Nintendo in 2014 from Electronic Arts

– Wikipedia: Nintendo Marketing

07.12.2018 | 00:46 Uhr

Nach weiteren fünfzehn Minuten sind es schon 10.686 User auf YouTube und wer weiß, wie viele auf Twitch und so weiter auf die Ankunft des „Sonnengottes“ warten. Werden auch heute wieder obskure Bands sowie komische Attraktionen für das Spammen im Chat verantwortlich sein und wilde Meldungen auf GameStar und anderen Magazinen aufpoppen? Ich schaue traurig auf die deutsche Berichterstattung und finde weder ein ähnliches Format, wie etwa die Easy Allies, noch irgendeine lustige, lockere Sylversterrunde deutscher Videospieljournalisten oder zumindest welche, die auch nur annähernd über die Gähngrenze meiner Feeds herüberkommen könnten - Leere verbleibt.

Tom spielt Super Smash Bros. Ultimate - First Look (Stream vom 07.12.) ©️ Hooked

Tom und Robin von Hooked sind tatsächlich am „live“-Leben auf Twitch. Ersterer, Tom, überbrückt mit dem Spielen von „Super Smash Bros. Ultimate“ (Nintendo, 2018) die Zeit bis zum Beginn der Show und langweilt mich zu Tode. Immerhin neunzehn Kanäle streamen das Event und ich bin gespannt, ob der Stream nicht irgendwann die Millionen Server zerreißen wird, auf denen dieses „Megading“ gezeigt werden soll. 11.355 Zuschauer sind unerbittlich am Starren auf das blaue Vorspannbild mit der titanischen Statue. 11.618 User am Ende dieses Satzes. Ich muss lachen, als ich auf die Seite gehe: „Worlds will change“ steht dort, was nicht wirklich sinnig ist. Das sogenannte „Advisory Board“ auf der Video Game Awards Webseite liest sich wie das „Who is Who“ der Eitelkeit und Macht in der internationalen Videospielbranche - selbstverständlich mit Foto und Wichtigkeitsranking. Man merkt, dass man den Göttern beiwohnen darf:

  • Activision AMD: Dr. Lisa Su (CEO)
  • Electronic Arts: Laura Miele (Chief Studios Officer)
  • Kojima Productions: Hideo Kojima
  • Microsoft: Phil Spencer (Head of Xbox)
  • Nintendo of America: Reggie Fils-Aime (President)
  • Rockstar Games
  • Sony Interactive Entertainment: Shawn Layden (Chairman, SIE Worldwide Studios)
  • Ubisoft: Yves Guillemot (CEO)
  • Valve
  • Warner Bros. Interactive Entertainment: David Haddad (President)
  • Tencent: Steven Ma (SVP)

Geoff Keighley ist eitel und stolz auf seine Errungenschaft, nicht mehr wöchentlich vor der Kamera stehen müssen, sondern nur noch zur Hauptsendezeit, dem globalen Weihnachtsgeschäft, abgefilmt zu werden. Hierzu noch eine kleine Info, als ob es nicht bereits genug Marketing für Videospiele während der Games Awards Show gäbe. Laut „Investors.com“ wurde scheinbar im Jahre 2015 noch ein kleiner Pitch extra dafür initiiert.


07.12.2018 | 00:48 Uhr

12.854 und noch 102 Minuten bis zum Start der „weltbesten und größten Gameshowsuperlative ever“. Mir wird langweilig und Tom schläft, glaube ich, auch schon? Nein, er spielt immer noch live und 225 schauen zu, immerhin! 13.345 warten jetzt am Testbild auf YouTube, das es laut der „Artikel 13 Drohung“ aus Brüssel bald nicht mehr geben soll. Dies würde wiederum das Ende für diese Form der Liveübertragung bedeuten, wenn sich nicht das Spinger Verlagshaus die Rechte an der Übertragung sichert, was momentan noch kostenlos ist. Tom hat soeben trotz größter Bemühungen sechs Zuschauer verloren, deren Köpfe sicherlich auf die Tastatur schlugen.


07.12.2018 | 00:55 Uhr

13.698 Personen warten auf das Ende des Testbildes. Gott sei Dank habe ich morgen frei, andernfalls wäre auch ich bereits in der Horizontalen. Ob ich das Ende der Show schaffe, frage ich mich trotzdem. In 95 Minuten weiß ich mehr.


07.12.2018 | 00:57 Uhr

Tom hat wieder 226 Zuschauer auf Twitch, was mich freut. 14.570 Menschen ohne Spiel, ohne Ton, aber am Warten auf YouTube. „Super Smash Bros. Ultimate“ sieht eher langweilig aus, weshalb das Testbild momentan bevorzugt wird. Ich verlasse Tom und schaue, ob die GameStar live etwas überträgt. Wie sich herausstellt zumindest bis jetzt leider nein, aber ein toller Hinweis zu den verschiedenen Livestream-Webseiten wird angeboten, löblich! Mir wird dennoch noch langweiliger und das bei einer Redaktion, die doch gerade vor kurzem erst angefangen hat, sich von einer ehemaligen Germanistikstudentin die kopierten Videospielnachrichten vorlesen zu lassen. Die Art der Aufmachung verleitet ins Stereotypische, vor allem wenn man das sogenannte „Framing“ genauer anschaut. Was treibt das Team um Chefredakteur Heiko Klinge nicht einfach mal dazu, die Kreativität von der Leine zu lassen und nicht so halbherzige Entscheidungen zu treffen, die nicht nur mangelhaft im Make-Up und in der Moderation sind, sondern einfach dort nichts verloren haben? 16.433 Nutzer warten auf den lesbaren „Endsieg“ der 4k bis 8k Render-Stimuli über das eigene Portemonnaie.

Neues Far Cry angekündigt - Sicherheitslücke bei Bethesda - News ©️ GameStar

07.12.2018 | 01:18 Uhr

17.425. Es gibt noch einen Schoko-Pudding in meiner Nähe, der mir die tatsächlich nicht vorhandenen Kippen dankbarerweise ersetzt. Ich will standhaft bleiben und nicht wieder zurück in den Lungenhades! Ich bin todmüde und fange an zu halluzinieren.


07.12.2018 | 01:23 Uhr

Mit 18.346 Zuschauern wartend sehe ich Tom neben mir und fragt mich, ob ich nicht mit Robin sprechen möchte. Ich habe ihm nichts zu sagen, denn ich weiß genau, dass er mir eh nicht zuhören wird. Ich war nie bei GIGA in der Ausbildung und habe auch sonst keine videojournalistische Expertise mit Zeugnis. Hatte ich doch im Jahre 2014 spontan bei denen an die Tür geklopft, da das superkleine Mini-Studio der beiden Boyscouts direkt bei mir um die Ecke in Friedrichshain ist. Nicht ein einziges Mal haben die Zwei seitdem etwas über die Gentrifizierung oder das wahre Leben in Berlin-Ost (die Nachbarschaft) präsentiert, sondern nur über ihre seltsamen „Unboxing“-Strategien, exklusiven Patreon-Inhalten und J-RPGs.

Ich will ins Bett, um mich nicht weiter quälen müssen. Blut läuft mir aus den Augen und ich wische es weg, wie alten Rambo-Schweiß. 20.786 Schafe mähen nun laut blökend, um endlich auf die Schlachtbank der Werbemetzger geführt zu werden. Was wird den Reigen eröffnen? Drei Stunden und neunzehn Minuten muss ich wohl über mich ergehen lassen und bin jetzt schon unmotiviert, weil ich weiß, dass ich das niemals schaffen werde.


07.12.2018 | 01:36 Uhr

Noch 54 Minuten 41 Sekunden und weitere 1000 sind dabei. Ich könnte meinem alten Körper stattdessen etwas Ruhe geben. Keiner wird es merken, wenn ich nichts darüberschreibe, da ich das in den letzten Jahren ja auch nicht gemacht habe, wozu also jetzt? Ich esse meinen Pudding, während die Zahl der Schafe um 01:37 Uhr auf 22.460 steigt. 23.052 um 01:39 Uhr. Bei Tom und Robin sind es jetzt knackige 235 Zuschauer im Livestream von „Super Smash Bros. Ultimate“. Ob ich ihn besuche und einfach an seine Scheibe klopfe und erschrecke? Das wird er nicht überleben, da bin ich mir sicher.


07.12.2018 | 01:47 Uhr

25.472, wie unter Mühlsteinen zerbirst meine anfängliche Zuversicht in 42 Minuten und 12 Sekunden strahlend unter dem Tannenbaum des wahren Lichterfestes stroboskopischer Hinrichtung meines Bewusstseins das konsumfreudigste Ereignis der Welt zu begehen. Jeder kennt das herrlich schmerzvolle Wechselbad der Gefühle, wenn es darum geht, zwischen all diesen Kaufzwängen endlich die richtige Füllung des sogenannten „Pile of Shame“ zu holen. Dieses Jahr waren es bei mir die Collectors Edition von „Far Cry 5“ (Ubisoft, 2018), die Collectors Editon von „Mario + Rabbids: Kingdom Battles“ (Ubisoft, 2017) und das Schnäppchen der Dedsec Edition von „Watch Dogs“ (Ubisoft, 2014) im Sonderangebot vom Saturn. Der Pudding ist alle!


07.12.2018 | 01:59 Uhr

32.347 Personen, ich hasse sie alle, obwohl sie sicherlich alle ziemlich cool sind und „Dudes“ oder „Dudettes“ sich anheften. Das Bild auf dem YouTube Stream hat sich gerade geändert. Währenddessen sind es 281 Zuschauer bei Tom. Robin ist mittlerweile ebenfalls eingetroffen und redet sich bewusstlos. Somit langweilen sie mich zu zweit! Ich muss etwas ändern und schalte sie weg. Nur weil sie praktisch meine Nachbarn sind, muss ich sie nicht mögen, schon gar nicht, wenn die in jedes Horn blasen, wie einst bei der unbegründeten Jagd auf Daniel Vávra. Ich scheine ein Elefant zu sein.


07.12.2018 | 02:06 Uhr

36.117 „User“ und ich freu mich urplötzlich auf die Show. Warum auch immer, ich habe den toten Punkt überwunden und das gefällt mir. Eine Kippe wäre trotzdem großartig.


07.12.2018 | 02:11 Uhr

Hysterie macht sich unter den 46.990 Unterhaltenden breit. Die Zahlen fangen an surreal zu werden. Ich stelle auf Vollbild bei 50.129 Nutzern um 02:13 Uhr. Krass, die streamen sogar in 4K. 53.800 um 02:14 Uhr, 58.434 um 02:16 Uhr; Die Küchenwecker scheinen jetzt überall zu läuten. Ob Geoff wohl wie immer politisch korrekt und hygienisch über all die Verfehlungen der Branche in den letzten Wochen schweigen wird? Probleme, nein, die gibt es nicht in der neuen Vorzeigebranche Amerikas. Die Texte dazu sind vorbereitet, die Teleprompter befüllt, sämtliche Kamerabewegungen und Livesets sind eingeübt und wieder wird eine völlig hygienische Mischung aus Erwachseneninhalt und ab 16 Jahren zugelassene Videopeitschenhiebe auf uns niederprasseln. Vielleicht wird wieder ein hysterischer Studioleiter über sein Splitscreen - Gefängnis Spiel übermütig in die Kamera lechzen, vielleicht wird es wieder einen Ehrenpreis für jemand völlig Unbekanntes und seine unbekannten Leistungen geben. Eigentlich interessieren die mittlerweile 74.290 Zuschauer um 02:21 Uhr nur bunte Lichter, Bilder, Flairs, Explosionen, Monsterdesigns, Neuankündigungen und möglich Wiederveröffentlichungen von bereits mehrfach Wiederholtem. Hier noch ein „Halo“, dort noch ein „Resident Evil“, ein weiteres „Anthem“ – Video und so weiter. Ich habe mich ein wenig demotiviert.


07.12.2018 | 02:29 Uhr

Himmel! 129.585 Zuschauer und es geht pünktlich um 02:31 los. Geigen und spannende Klaviermusik orchestral vorgetragen vor dem Standbild bringen mich zum Kochen. Ich schalte das Licht aus und mache es mir gemütlich. Es ist eine auditive Wiederholungsschleife. Aktuell sind 177.053 Zuschauer. Nichts passiert, „The show is about to begin ...” ja wo denn?


07.12.2018 | 02:36 Uhr

Pre-Show das fünfte Jahr mit 185.195 Zuschauern. Geoff erzählt uns, wie immer, wie wichtig das alles ist. Wir sehen Schnipsel aus bereits Gesehenem und ich merke, dass eine vorbereitete MAZ ziemlich langweilig sein kann, wenn immer das Gleiche wiederholt. „The worlds you know, you might not know anymore after the game awards”, was eine befremdliche Aussage. Er redet über die Art, wie Videospiele bewertet werden und warum.

Goeff Keighley
©️ Frank Micelotta, 2018

Die erste Weltpremiere kommt von Nintendo namens „Dancing Devils“. Das abgefilmte Volk jubelt. Worüber ist nicht ersichtlich. Anschließend hüpft Josef Fahres von „A Way Out“ ins Bild. Ein zukünftiger, verwirrter Running Gag?

„Dead Cells“ (Motion Twin, 2017) wird zum besten Action Game gekürt. Anschließend folgt ein Trailer zu „Journey to the savage planet“: Eine Fahrt in einem Mondlandegefährt in einer Landekapsel. Am Ende ein toter Astronaut mit dem Gesicht auf dem Boden vor der offenen Tür. Sieht aus, wie „No Man´s Sky“ (Hello Games, 2016) als Egoshooter.

Journey to the Savage Planet - The Game Awards Reveal Trailer | PS4 ©️ Sony PlayStation, 2018

Das beste „Role Playing Game“ geht an „Monster Hunter World von Capcom. „Wir haben bald großartige Neuigkeiten für unserer Fans …“, sagt der sehr stolze japanische Entwickler. Diese kurze Rede hätte sich ein Fünfjähriger ausdenken können. Es folgt eine Werbung für Twitter und das sogenannte „Photobombing“ im „Spider-Man“ Videospiel von Insomniac Games.

Das beste E-Sports Team ist nach Ansicht der Jury „Cloud 9“, das beste E-Sports Game: „Overwatch“ (Blizzard, 2015). Das beste E-Sports Event ist das „League of Legends Event, der beste E-Sport Host ist „Shocks“ und der E-Sports Coach, „Reaper“. Wer auch immer das ist. Bester E-Sports Moment: „C9 triple Oteam vs. Phase“.

Noch eine Weltpremiere: „Stanley Parable“. In dreizehn Minuten bespaßt uns Geoff mit einer Pre-Show im „Rushmode“. Ich will es nicht mehr mitschreiben, es langweilt mich total. Der Hype ist mir jetzt echt zu groß und ich werde müde.

Weltpremiere mit einer Grafik, die man gefühlt schon 2000-mal gesehen hat. Musik aus der Konserve: „Among Trees“. Gähnende Bedrücktheit herrscht bei mir und im Chat. Noch ein weiterer Grund warum Geoff das Ganze womöglich erfunden hat. Awards ohne Druck, ohne Konkurrenz.


07.12.2018 | 03:03 Uhr

Die großen drei Personifizierungen von Xbox, Nintendo, und Playstation kündigen erneut die bereits laufende Show an. Die Worte „show“, „incredible“, „amazing“ und so weiter werden inflationär gebraucht. Aktuell sind es 185.195 Zuschauer. Wieder wird Keighley, der eh die ganze Zeit redet nochmals angekündigt. Es folgt sogleich Hans Zimmer mit einem neuen Games Awards Orchester Thema. Ein Hauch „Gladiator“ liegt in der Luft. Emotion wird geheuchelt, der Abstand zum bigotten schwindet.

Shawn Layden (Playstation), Phil Spencer (Xbox) und Reginald Fils-Aimé (Nintendo)
©️ Frank Micelotta, 2018

„Best Narrative“ wird von zwei nicht wirklich global bekannten YouTubern vorgestellt. Es ist „Red Dead Redemption 2” (Rockstar Games, 2018). Das ist unerwartet, mein Mund fängt an zu zucken. Ich bin irritiert, denn wie können Loot-Episoden eines Nicht-Western-Spektakels gegenüber wirklich dramatischen Geschichten wie „God of War“ (Santa Monica Studio, 2018) oder „Detroit: Become Human“ (Quantic Dream, 2018) bestehen?

Greg Thomas
©️ Frank Micelotta, 2018

Die nächste Präsentation wird einem als harten Schnitt an den Kopf geworfen. Es scheinen die „Avengers“ zu sein. Im Comiclook wird „Marvel’s Ultimate Alliance 3: The Black Order” exklusiv für die Nintendo Switch angekündigt. Jonah Hill versucht die „Industry Icon“ vorzustellen, der Chat und ich verlieren parallel das Interesse, womöglich weil die „NBA 2k“ Franchise zurzeit nicht gerade bliebt ist mit der „NBA 2K“ Franchise. Der ausgezeichnete Greg Thomas läuft zur Bühne, sieht etwas müde aus und trägt die übliche Dankesrede vor. Aufgrund seiner Statur war er womöglich selbst Basketballer - ein Riese. Der Applaus ist technisch unterdrückt, die Rede dauert gefühlt recht lange. Im Moment weiß ich selbst nicht genau, was ich gerade sehe.


07.12.2018 | 03:19 Uhr

Steven Spawn, ein sichtbar körperlich eingeschränkter Spieler, der gesagt bekam „nach Hause zu gehen“, weil er eh alsbald sterben wird. Emotionale Musik wird unter das schweratmende Spielergeräusch gemischt, damit wir alle verstehen, wie hart die Krankheit sein muss, die ihm die Luft zu rauben scheint. „Facebook Gaming“ wird zum Schluss des Beitrags eingeblendet. Schnell rüber zur „Rocket League“ (Psyonix, 2015) Werbung für McLaren. Es wird ebenso emotional ein Auto angepriesen. Christoph Waltz wird angekündigt, doch eine Playstation 4 Werbung drückt sich dazwischen. Ebenso darf Herr Waltz Werbung für die Switch und seinen Film abwarten, der nicht näher vorgestellt wird und nur Zeit verpulvert. Ergebnis des kurzen Wartens ist die Auszeichnung von Roger Clark für „Best Performance“ als Arthur Morgan in „Read Dead Redemption 2“. Er presst hervor: „This is an amazing moment …“, glaubt er es auch? Es regnet Papierblüten, während „Far Cry: New Dawn“ angekündigt wird, das überraschend bereits am 15. Februar 2019 erscheinen soll. YouTube lässt die Übertragung etwas ruckeln.


07.12.2018 | 03:43 Uhr

„Hades“ von Supergiant Game wird erstmalig vorgestellt. 252.165 Zuschauer sind mittlerweile mit von der Partie. „Ancestors“, Urzeitaffen in einem „Farcry“ aus dem Jahre 2010 ähnlichen Grafikstil flimmert auf meinem Bildschirm, ehe aus 1080p, 720p und kurz 144p Auflösung vom YouTube-Player diktiert wird. Es folgt „Forza Horizon 4“ (Turn 10 Studios, 2018), die üblichen Bilder. Weiteres „Gameplay“ wird nach der Show versprochen.

Assassin's Creed Creator Shows First Gameplay From Ancestors: The Humankind Odyssey ©️ GameSpot

07.12.2018 | 03:47 Uhr

Wo bleiben die „Knaller“-Ankündigungen, denn die Werbung für Radeon, AMD Ryzen sowie AMD Gaming PCs ist es nicht. „Girls make Games“ Einspieler ruckelt mittlerweile derart, dass die laufenden Bilder fast zum Stillstand kommen. Nach „Magic the Gathering“ – Arena wird sofort die nächste Weltpremiere in einem nichtssagenden CGI Trailer mit 250.220 Zuschauern präsentiert: Ein Survival Shooter namens „Scavangers“ von Midwinter Entertainment.

„Wow“, „amazing”, es nervt zusehends. „Panic! at the Disco“ Sänger Brandon Urie kündigt an, dass er eine vorgeschriebene Ankündigung in zwei Zeilen ablesen kann. Der dazugehörige Preis für „Best Score/Music“ ist wieder „Red Dead Redemption 2“ aber diesmal persönlich verdienter, weil diesen Preis mein Musikliebling gewonnen hat: Daniel Lanois.


07.12.2018 | 03:48 Uhr

Noch ein Preis für Rockstar Games und Werbungen für „Warframe“ (Digital Extremes, 2013), „Dead by Daylight“ (2016) und anderen. Der Stream tropft nicht wirklich bildgewaltig wie ein alter Wasserhahn. Die Retrokiste wird weiter ausführlich ausgebaut mit „Crash Team Racing“. Die nächste Auszeichnung wird von Sunny Suljic und Christoper Judge vorgestellt. Die Tatsache, dass das Interesse auf dem populären Ausspruch Judges liegt und nicht auf dem besten „Content Creator“, spricht Bände.

The BEST MOMENT of The Game Awards 2018 | READ IT BOY ©️ Enïgma

Selbst nach Obsidians neuer Spieleidee namens „The Outer Worlds“, eine Mixtur aus „Rage“, „Borderlands“ und „Fallout: New Vegas“ anzurühren, verschwimmen die Grenzen zum Peinlichen immer eher. Eine visuelle Retrospektive der letzten zehn Jahre jagt die Nächste. Pakistans Gaming-Szene wird vorgestellt, und mein größter Traum soll sich mit Facebook Gaming Werbung und noch mehr Switch Spielen, die keiner wirklich braucht und nicht qualitativ hochwertig aussehen, erfüllen. Das einzig auffällig ist die fehlende Inspiration der verschiedenen Titelfinder, denn wenn das x-te Spiel mit „The last“ beginnt – in diesem Fall „The Last Campfire“ – dann ist die Einfallslosigkeit etabliert. Der anschließend vorgestellte Vater „Fortnite“ Spielender, der darüber klagt, dass seine Kinder ihn und seine Amex für virtuellen Müll plündern inklusive eingespielter Lacher hilft auch nicht.


07.12.2018 | 04:17 Uhr

„Best E-Sports Player“ ist ein Typ namens „Sonic Fox“ mit einer blauen Fuchsmaske. „Kreatief“ in der Ideenlosigkeit? Dennoch: Er spendet seinen Gewinn für eine Krebstherapie seines Freundes. Er wirkt authentisch, bekennt sich dazu, dass er schwul ist. Ein Lichtblick in der Runde des auswendig gelernten Stumpfsinns!

„Sonic Fox“
©️ Frank Micelotta, 2018

I‘m gay, I‘m black and I’m the best E-Sports player of the year.

– Sonic Fox

Der folgende Trailer ist nicht minder unterhaltsam. Schneespuren machen zumindest in „Playerunkown’s Battlegrounds“ (Bluehole, 2017) Trailer ein neues Spielerlebnis und erinnert dabei an Pixars Kurzfilm namens „Piper“. Um 04:21 Uhr also die ersten unterhaltsamen Show-Ideen, die 270.738 Zuschauer mit mir sehen.

PUBG New Winter Map 'Vikendi' Trailer (TGA 2018) ©️ Gamer's Little Playground

07.12.2018 | 04:26 Uhr

267.176 schauen etwas zu „Crackdown 3“ mit Terry Crews. Noch mehr Preise folgen, die ich nicht verstehe, weil sie viel zu schnell fallen. Biowares Hastag-Werbung #TheDreadWolfRises holt selbst YouTuber YongYea nicht ab und stellt in seinem Stream zur Show fest: Da geht nichts! Gar nichts. Ein Selfie machendes Muppet namens „Pepe“, ein kleiner Vogel und ein schwuler E-Sports Spieler scheinen die gesamte Show auszumachen. Goeff Keighley schließt an mit: „We’re trending number one worldwide on Twitter.“. Zuvor wurde „Celeste“ (Matt Makes Games, 2018) als bestes „Best Independet Game“ ausgezeichnet. Auch „The Pathless“ zieht abseits des Optischen nicht wirklich.


07.12.2018 | 04:50 Uhr

Ein merkwürdiger Trailer ohne Hirn mit Offsprecher Sir Mixalot erinnert jetzt zum mehrfach wiederholten Male an „Magic the Gathering“ - Arena als E-Sports Event. Geoff, du baust meiner Meinung stark ab. Ich bin jetzt wach, aber du solltest nächstes mal besser ausschlafen, um eine wirklich gute Show zu machen. Nichts wurde präsentiert, was ich wirklich toll finden könnte. Daniel Lanois darf wegen „Red Dead Redemption 2“ nochmals ran. Er bringt mir das Schlaflied, das ich gerade brauche, um 04:50 Uhr.


07.12.2018 | 04:52 Uhr

Aktuell sind es 253.259 Zuschauer. Hoffentlich ist es bald vorbei. Vielleicht haben die anderen großen Triple-A Entwickler Geoff einfach hängen lassen. Das Angebot war keines, eine Zeitverschwendung, aber eine ganz klare Ansage an alle Videospielende, dass nichts wirklich Neues in Aussicht steht. Egal, wie oft Geoff "Wow!" sagen mag und sogar direkt vor das wirkliche Ende des Songs reinquatscht. Was „Stranger Things“ bei den Game Awards zu suchen hat, erschließt sich auch nicht wirklich. Ein „Mortal Combat 11“ CGI-Trailer mit unpassendem Rap im Hintergrund versucht mich zu überzeugen. Blutig und „gorey“, ich gähne eher nur. Alle jubeln. Warum?


07.12.2018 | 05:00 Uhr

„Forza Horizon 4“ gewinnt „Best Racing Game”. Die vermeintlichen Moderationswitze sind tot und blass. Phil Spencer von Xbox spricht von einem „big year“ für die Marke Xbox. Der adaptive Controller wird erwähnt. „Gears of War 5“, „Ori: The Will of the Wisps“ und „Devil May Cry 5“ werden zum x-ten Mal seit Juni vorgestellt. Ich habe das Gefühl, dass Geoff sich selbst nicht mehr glaubt.

„Best Game Direction“: Bitte nicht wieder „Red Dead Redemption 2“, bitte nicht. Glücklicherweise ist es „God of War“. Eine bemerkenswert emotionale Rede mit dem Titel „Son of a bitch“ seitens Cory Barlog schließt sich an. Er will nicht weinen, kämpft aber sympathisch ordentlich mit den Tränen. Der „Fortnite“ (Epic Games, 2017) Weihnachtstrailer zerstört aber sämtliche Atmosphäre wieder – verhaltener Applaus. Ich gähne nicht mal mehr, nicht mal bei „Rage 2“.


07.12.2018 | 05:30 Uhr

Selbiges „Fortnite“ bekommt auch „Best Ongoing Game“ verpasst. Geoff Keighley kündigt noch mehr Spiele an, als plötzlich das Licht ausgeht und es „Super Smash Bros. Ultimate“ mit dem Joker von Persona 5 präsentiert und natürlich als „world premiere“. Wo Hideo Kojima bleibt, frage ich mich. Warum ist er nicht da? Ich halte noch etwas durch, obwohl die Show momentan nervt. Werbungen für „Read Dead Redemption 2“, „Diablo 3“ (Blizzard, 2012) auf der Switch und „Shadow of the Tomb Raider“ (Eidos Montreal, 2018) und beende den Stream total erschöpft.


07.12.2018 | 11:30 Uhr
Shannon Studstill, Corey Barlog
©️ Frank Micelotta, 2018

Ich stelle fest, dass ich lediglich vierzehn Minuten verpasst hatte. „God of War“ gewinnt verdienter Maßen die Trophäe für das Spiel des Jahres, „Game of the Year“. Cory Barlog ist überglücklich und ich auch, weil ich „Red Dead Redemption 2“ seit der Show nicht mehr hören kann. Ich merke ebenfalls, dass ich nichts verpasst habe. Niemand hätte was verpasst, wenn er es sich nicht angeschaut hätte. Was bleibt also zum Fazit? Ich werde einfach nie wieder Video Game Awards schaue. Somit: Wie immer, bis zum nächsten Jahr.

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