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Notstand in Technoland

Die deutsche Videospielbranche scheint nach Aussage zahlenmäßig wachsender Stimmen den Anschluss endgültig mittelfristig zu verlieren. Gründe hierfür sind in der täglichen Praxis zu finden, die sowohl im Bereich der Förderung auf staatlicher wie privatwirtschaftlicher Sicht verortet sind.

Notstand in Technoland: Die Zeit heilt keine Wunden mehr, denn sie läuft uns einfach davon

von Kim Sofer Matthias — 18 Minuten Lesezeit

Virtuelle, programmierte Simulation ist (Teil) jedes Videospiels und wird meistens unter dem Begriff der „Immersion“ behandelt. Sie ist aus verschiedenen Richtungen anerkannt zukunftsweisend und High-Tech, die viele Arbeitsplätze nicht nur in Form von Pionierangestellten schafft und sichert. Die deutsche Videospielbranche scheint nach Aussage zahlenmäßig wachsender Stimmen den Anschluss endgültig mittelfristig zu verlieren. Gründe hierfür sind in der täglichen Praxis zu finden, die sowohl im Bereich der Förderung auf staatlicher wie privatwirtschaftlicher Sicht verortet sind. Wer etwa neben der Spur läuft und nicht zu meist privat geführten Hochschulen eine Ausbildung im Bereich der Videospielentwicklung erfährt, der bleibt quasi automatisch außen vor. Ein Manko, das eine gewissen Verdrossenheit repräsentiert, Chance nicht nutzt. Somit handelt es sich hierbei somit um einen Markt, der ganz bewusst zumindest auf deutscher ebene versucht, sich abzugrenzen, das heißt Exklusivität für Auserwählte zu wahren oder aber ihm fehlt der echte Wettbewerb, der momentan zu einem „Nett“-bewerb verkommen ist.

Die Unken sind tot: Die Realität hat sie gefressen!

Wenn Alan Smithson (CEO, MetaVRse) aus Nordamerika vor seine wissbegierige Meute aus leidenschaftlichen Tech - Anhängern und meist programmierenden Studenten tritt, dann kocht es nicht nur im Saal, sondern auch im Kopf:

TKSummit: Alan Smithson - MetaVRse, CEO
©️ The Knowledge Society

Die Ideen und Prognosen, die er wie eine Zauberwelt via Präsentation aus gut recherchierten Zukunftsmodellen über uns ausbreitet, sind eine ebenso faszinierende, wie reale Zukunftsprognose auf die nächsten zehn Jahre globaler Weiterentwicklung in unterschiedlichen digitalen Medien – Technologien, Kommunikationsmodellen, monetärem Gewinn, Nachhaltigkeit und selbstverständlich sozialem Miteinander. Zwanzig Minuten reichen, danach ist das eigene Herz und der eigene Kopf angefüllt mit interessanten und sichtverändernden Perspektiven, die für viele Menschen aus Deutschland wahrscheinlich immer noch wie aus einem japanischen Hollywoodblockbuster zu stammen scheinen, aber dennoch die zur Zeit realste und letztlich für eine, seit über 20 Jahren schlafende finanziellen Förderung in Deutschland, unumgängliche Realität geworden ist. Namen, wie Elon Musk, tauchen darin auf und werden mit einer gewissen Ehrfurcht ausgesprochen. Warum?

Nun, weil es Musk wahrscheinlich im Rahmen der Zukunftstechnologien gebührt und weil man als normaler Nichtunternehmer, Influencer, Bundeskanzlerin und wohl auch als Wirtschaftsminister Peter Altmaier (60) möglicherweise gar nicht versteht, dass man als „deutsches Wirtschaftsunternehmen“ genannt „Volk“ nicht mehr die „Rücklichter des Fortschrittszuges“ anderer Völker und Nationen in weiter Ferne erkennen kann. Vergleicht man Peter Altmaier mit Alan Smithson, versteht man in sehr kurzer Zeit, mit wie vielen realisierbaren Perspektiven beide „Visionäre“ tatsächlich einen wirtschaftlich relevanten Exekutionsauftrag ausführen können und welche Qualität diese langfristig, wenn auch emphatisch formuliert, haben, wenn sie dazu noch als motivierende Grundlage für eine Wirtschafts- und Zukunftsförderung eines ganzen Landes, das heißt in einer Vorbildfunktion für andere Länder in der EU dienen sollen.

Bei Altmaier, der seit seinem Wechsel ins Kanzleramt nur noch selten in der Öffentlichkeit auftritt, schimmert immer wieder der Polit-Profi durch. Er operiert gern mit anschaulichen Beispielen: „Wenn eine kleine Drohne morgens die Zeitung und die Brötchen bringt“, so skizziert der Saarländer die Technik der Zukunft. Oder er beschreibt eine Pille mit Nanopartikeln, die vor drohenden Erkrankungen auf dem Handy warnt. „Es gibt Beispiele für den Vorteil und für den Nachteil der schönen neuen Welt“, warnt der Politiker. Nach der Gesprächsrunde wird ein junges Pärchen von „blöden Beispielen“ reden – vielleicht klingt es doch zu sehr nach Zukunftsmusik.

„Ist Deutschland für die digitale Zukunft gut gerüstet?“, fragt Jobatey am Ende. Steiner glaubt fest daran: Gerade der Mittelstand sei gut aufgestellt, man müsse natürlich draufsatteln, aber dafür habe Deutschland das Rüstzeug. Altmaier findet einen charmanten Ausstieg: „Besser als Frau Steiner hätte man es nicht sagen können.“

– Norbert Holst, Weser Kurier vom 11.02.2015

Seit 2015 (vgl. Telefonica Basecamp Veranstaltung) hat sich in diesem, früher höchst technisch innovativen Land scheinbar nicht so viel getan, sondern die „Führungsetage“ macht sich auch noch lustig über die fehlende Bandbreite der digitalen Verknüpfungen im Netzwerk der Datenlieferanten. Dabei handelt es sich deutlich zumindest in Teilen um eine selbst herbeigeführte Verfehlung falscher Förderung durch Subventionen in Form eines bis zu 40.000 Euro hohen Ausbildungsgutscheins an sogenannten Ausbildungsbetrieben im Bereich „App-Programmierung und digitaler Anwendungsprogrammierung“.

Alvin Graylin - Abundance 360 Summit 2019
©️ Abundance 360 & Peter Diamandis

Die Frage eines seit dem Jahr 2000 andauernd, deutschen Entwicklungsnotstand in den Bereichen „Simulation“, „Virtual Reality“, „Augmented Reality“ und somit auch „Videospielen“ bleibt. Sie repräsentiert die am härtesten betroffenen, mittelständisch oder einzelunternehmerisch arbeitenden deutschen kleinen Entwicklerfirmen, die durch fehlende, gezielte staatlich subventionierte Entwicklungsanschübe und den notwendigen Schutz durch besserer Steuermodelle, gar nicht mehr oder nur sehr erschwert agieren können. Um im Kleinen zumindest die Chance wahrnehmen zu können, dem Druck des globalen digitalen Wettbewerbes durch eine Eigenkraft irgendwie standhalten zu können, fehlen massiv solide gespannte Sicherheitsnetze. Vieles verbleibt schlicht und ergreifend im Sinne einer Arbeitsverdrossenheit ungeklärt.

Die Nationale Industriestrategie 2030 von Bundeswirtschaftsminister Altmaier will gezielt Großkonzerne unterstützen und lässt Mittelstand, Startups und Gründer weitgehend außen vor, obwohl diese die Mehrzahl aller Arbeitsplätze und Innovationen in Deutschland stellen. Die Wichtigkeit der Digitalisierung und auch von Plattformen und Künstlicher Intelligenz wird in der Strategie richtig erkannt. Der Lösungsansatz geht nach unserer Auffassung aber in die falsche Richtung. Statt Planungsvorgaben zu zukünftigen Industrieanteilen an der Bruttowertschöpfung sollte die Schaffung von Rahmenbedingungen im Mittelpunkt stehen, welche die Wettbewerbsfähigkeit junger und mittelständischer Unternehmen stärkt und auch datenbasierte Geschäftsmodelle in den Mittelpunkt rückt. In den zweiten "Aufschlag" der Strategie sollten diese Aspekte dringend aufgenommen werden.

– Pressemitteilung des Bundesverband IT-Mittelstand e.V. vom 06.02.2019

Wenn Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft von mehr Wagniskapital, mehr Fachkräften, mehr Forschungsförderung vor allem im Bereich der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz spricht, widerspricht das im Wesentlichen den Wasserstandsmeldungen Altmaiers. Der „Witz“ in Form von drei Milliarden Euro über mehrere Jahre verteilt, bedeutet harsche Kritik an der unzureichenden Strategie der verantwortlichen Wirtschaftspolitik.

Ein Sonderfall: Über die Effizienz von staatlich subventionierten Bildungsangeboten im IT-Bereich und die Zeitfalle der Überqualifizierten

In Gänze lässt sich das bisher Ausgeführte nicht faktisch nachprüfen, dafür fehlen einfach die Ressourcen und dennoch lässt sich ein erster Einblick der momentanen Ausgestaltung der Praxis an einem Beispiel gewinnen. Das folgende Interview soll Aufschluss darüber geben, ob es weiterhin unregulierte, „digitale Ausbildungs,- Ausbeutungsförderung“ benötigt oder eben nicht. Zum Schutz seiner Identität ist dieser junge Mann ein Ex-Mitarbeiter einer Firma im Bereich digitaler Produktion von unterschiedlichen Medienformen mit entsprechenden Inhalten, wie Virtual Reality-, Augmented Reality- oder digitalem Videocontent mit dem Namen XML anonymisiert worden.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Hallo XML, danke, dass Du Dich für ein Gespräch bereiterklärt hast. Was hast du bis zum Jahre 2010 unternommen, bevor Du Dich zu der ersten Umschulungsmaßnahme beim Jobcenter entschieden hast? Du hast Dich ja schon in recht jungen Jahren mit dem Thema „Videospiel“ auseinandergesetzt.

XML XML (lacht) ... Ja, da war ich noch ziemlich jung! Ich habe ursprünglich eine Ausbildung zum 3D-Game-Designer gemacht und war einige Zeit freiberuflich selbstständig. Anschließend hat das Jobcenter mir angeboten, dass ich eine Umschulung machen könnte, die ich mir ausgesucht hatte. Dort habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht: Mein erster Umschulungsträger war „c******“ und es hat meiner Erfahrung nach praktisch kein Unterricht stattgefunden.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Gibt es die noch?

XML XML Ja, die gibt es noch. Sind, so meine ich, sogar relativ erfolgreich.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Was machten die?

XML XML Wie ich es mitbekommen habe, nichts! Also, Urlaub eben. In den zwei Monaten, die ich dort war, hatten wir keinerlei Unterricht, sondern haben Sachen gemacht, wie einen 3D Drucker zusammen zu bauen. Eben Dinge, die irgendwie „lustig“ sind, aber nichts mit einer IHK Prüfung oder der Kenntnis, die man in diesem Beruf braucht, zu tun hat.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Was war das Ziel dieser Ausbildung?

XML XML Das Ziel von jeder dieser Umschulungen ist es, die IHK Prüfung zu bestehen und beruflich handlungsfähig gemacht zu werden.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Für welchen Beruf?

XML XML IT-Fachkraft für Anwendungsentwicklung, Anwendungsentwickler, praktisch.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Was ist das?

XML XML Das ist Software Development im Endeffekt. Die deutsche Bezeichnung für Leute, die programmieren und Software gestalten.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Und im welchen Umfang findet das statt und wo kann man anschließend eingesetzt werden?

XML XML Theoretisch kann man überall eingesetzt werden, wo Computer verwendet werden und Software benötigt wird. Angesichts der Qualität der Umschulung, nirgends würde ich sagen, vielleicht überspitzt formuliert in einem Computerreparaturladen, wo es später darauf ankommt, ältere Leute „abzuziehen“. Dort kann man eingesetzt werden, weil man dazu keine besonderen Fähigkeiten braucht.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Verstehe. Du erhältst zusätzlich einen Bildungsgutschein. Was ist dieser wert?

XML XML Dieser ist so viel wert, wie die jeweilige Umschulung kostet, was sich meist zwischen 20.000 – 30.000 Euro für 1 ½ Jahre Zeitraum bewegt, während die Umschulung laufen würde. Diese ist stark abgekürzt. Die Ausbildung geht eigentlich drei Jahre und ich muss die gleichen Inhalte lernen, wie Personen, die das Gleiche studieren. Somit: Drei Jahre Studium in 1 ½ Jahren, was voraussetzt, dass ich Unterricht bekomme und mir das beigebracht wird. (XML lacht)

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Wie sollte der Unterricht sein und wie ist er letztlich abgelaufen?

XML XML Ganz normaler Unterricht sollte es sein: Im Endeffekt geht es darum, dass mir die Grundlagen für Computersysteme, der Hardware, aber größtenteils der Software beigebracht werden und ich mindestens eine Programmiersprache soweit lerne, dass ich damit auch Anwendungen entwickeln kann. Im Endeffekt muss man die IHK Prüfung bestehen und macht ein Praktikum das letzte halbe Jahr. Im Praktikum gestaltet man ein Projekt, das auch noch Teil der Abschlussprüfung ist. Um dieses Projekt gestalten zu können, braucht man natürlich die dafür grundlegenden Kenntnisse.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Wie würde sich der Ablauf dann gestalten? Wieviel Stunden hättest du dort sein müssen und was wäre nach einer Summe X an Stunden dann das Fazit gewesen?

XML XML Der Unterrichtsablauf besteht aus acht Unterrichtsstunden am Tag, also 8 x 45 min plus Pausen, das heißt man muss acht Stunden am Tag anwesend sein. Das Ziel, der eigentliche Ablauf, so wie ich das annehmen würde, wäre, dass wir unterrichtet pro Woche werden oder auch mal mehrere Wochen Themenunterrichte bekommen und diese Themen dann auch „können“.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Diese wären dann in zweiwöchentlichen oder dreiwöchentlichen Tests abgefragt worden?

XML XML Richtig, das Jobcenter setzt eine Leistungsabfrage voraus, weil ja auch durch zu geringe Leistungen es ersichtlich werden kann, dass es (im Einzelfall) nicht unbedingt möglich ist, die Prüfungen zu bestehen. An diesem Punkt muss die Umschulung immer abgebrochen werden, da es ja nicht logisch wäre, wenn ich weiterhin dort sitzen und Steuergelder an die Schule gezahlt werden würden, auch wenn es keine Chance gibt, dass ich die Prüfung jemals bestehe.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Was meinst Du mit Sozialbetrug, was ist das für Dich?

XML XML Beim Sozialbetrug in diesem Falle bedeutet, dass Bildungseinrichtungen die Notsituation von „Sozialhilfeempfängern“ ausnutzen, indem sie eine Umschulung anbieten und wissen, dass Sozialhilfeempfänger das Geld für diese Umschulung nicht selber bezahlen, somit vom Jobcenter sehr viel Geld erhalten aber keinerlei Leistung bieten. In den Werbeträgern der Ausbildungsunternehmen, die in den Jobcentern herumliegen, wurde damit geworben, dass man Spaß am Computer haben sollte, aber keinerlei Vorkenntnisse für die Ausbildung bräuchte.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Ist es denn tatsächlich so, dass man keine Vorkenntnisse gebraucht oder ist es vielmehr so, dass die Umschulungsmaßnahme ein höheres Niveau an Vorkenntnissen vorausgesetzt hätte?

XML XML In meinem Falle, wenn Unterricht stattfand, was bei „c******“ nicht wirklich der Fall war, bei „I*******“ allerdings schon … ja, ich persönlich konnte beim Unterricht gut mitkommen aber die Leute, die keine tiefere Kenntnis in Computersachen hatten, nicht wirklich. Ich würde sagen, diese Werbebotschaften sind einfach gelogen.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Wie viele Personen waren am Anfang im Kurs und wie viele am Ende?

XML XML Bei „c******“ sind etwa ein Viertel der Leute innerhalb der ersten Monate ausgestiegen, bei „I*******“ weniger. Allerdings gab es dort die ersten Monate einen richtigen Unterricht, während „c******“ von Anfang an in meinem Fall praktisch nichts gemacht hat. Jeden Freitag war „Sport im Freien“ angesetzt, was als Unterrichtszeit galt. Wir konnten praktisch machen, was wir wollen.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Also hattest du bei „c******“ wie viele Lehranteile in der Woche?

XML XML Sehr schwer zu sagen. Es kommt ganz auf den Dozenten an. Manche haben versucht zu unterrichten, manche nicht. Die meisten konnten das Thema gar nicht, welches sie unterrichten wollten. Deswegen hat das nicht viel Sinn gemacht.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Bei „c******“?

XML XML Bei „c******“ und bei „I*******“ im Übrigen bis auf die festangestellten Hauptdozenten auch. Diese hatten wir allerdings nach einiger Zeit nicht mehr. Sie sind auch, soweit ich weiß, nicht mehr fest angestellt.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Wieso sind sie nicht mehr festangestellt?

XML XML Ich bin nicht das Management von „I*******“, aber ich würde annehmen, dass es Kostengründe sind. Es ist einfach billiger.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Und was macht „c******“? Womit beschäftigen die sich? Wofür stehen sie sozusagen?

XML XML Es ist eine Bildungseinrichtung für moderne Ausbildungsberufe, spezifisch Computer – und Medien basiert. Dort werden ebenfalls Mediendesigner ausgebildet, sowie für kaufmännische Berufe im Medienbereich.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Und „I*******“?

XML XML Sehr ähnlich mit einem höheren Fokus auf Fach- und Führungskräften.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Du bist jetzt 29 Jahre alt. Wie viele Jahre hast du jetzt in diese Ausbildungssituation investiert?

XML XML Für die Umschulung etwas mehr als ein Jahr. Meine ursprüngliche Ausbildung hätte dann zwei Jahre gedauert. Die gesamte Zeit inklusive des Arbeitsamtes und Jobcenters fünf Jahre bestimmt. Ich kenne viele, die sich zum Erhalt eines Bildungsgutscheines lange gequält und dann einen harten Weg bis dahin beschritten haben, um die Chance für eine eigene, bessere Wettbewerbsqualifizierung zu erhalten. Eine Sache, die ich durch meine Umschulung gelernt habe und die sehr logisch wirkt: Wir haben in Deutschland seit langer Zeit einen Mangel an Fachkräften für IT-Stellen, Anwendungsentwickler oder Systemintegration. Es gibt viel zu wenige, was seit Jahren so ist. Gleichzeitig bilden wir jedes Jahr rund 36.000 davon aus. Ich nehme an, dass die Qualität dieser Umschulungen einfach zu schlecht ist. Die Dozentenstellen sind nicht mit qualifizierteren Fachkräften besetzt und können aufgrund der mangelhaften Ausbildung deutschlandweit nicht passend besetzt werden. Es ist klar: Wenn wir die Anzahl dieser Menschen besser für ihren Job ausgebildet hätten, dann hätten wir jetzt keinen Missstand mehr in diesem Bereich. Das Problem ist, dass eine Bescheinigung der IHK dich nicht automatisch zu einer Fachkraft werden lässt. Es bedeutet nur, dass du Dinge aus den 1980er weißt. Über Computer und das eigentliche Fachwissen wird in der IHK Prüfung gar nichts abgefragt, um gut in dem Job zu sein. Bis 2030 will die IHK allerdings darin laut Presse nachgebessert haben.

Kim Sofer Matthias Kim Sofer Matthias Du hast sicherlich den „Hype“ um AR- und VR-Technolgien mitbekommen. Wo siehst du Deutschland diesbezüglich?

XML XML Sehr ausgegrenzt, wie bei allen modernen Medienformen, nicht nur wenn es VR-, AR-, sondern auch wenn es um Videospiele an sich geht. Selbst die Filmindustrie ist nicht unbedingt die innovativste in Deutschland. Die Chancen und Grundlagen für aufsteigende und neue Medien sind meiner Ansicht nach sehr wenig gegeben.“

Sinn des Unkens

Das „Unken“ hilft sicherlich langfristig nicht weiter, kann maximal Missstände aufdecken und kritisieren. Allerdings entgegen besseren Wissens die eigene Notwendigkeit derart zu verkennen, ist gefährlich sowie selbstverschuldet und wäre früh zu vermeiden gewesen. In Übereinstimmung mit eigenen Erfahrungen und dem Verlust eines wertvollen Mitarbeiters im Bereich 3D-Animator, der sich ebenso ins Zeug gelegt hatte, einen Bildungsgutschein zu erwerben, zeigt das oben geführte Gespräch, dass sich seit acht Jahren nichts verändert hat. Aufgrund einer gewissen Sattheit über den lange verjährten Erfolg im Bereich des Maschinenbaus und der Entwicklung großer Konzerne aus eben diesem Wissen, traut man scheinbar vielen Jungen heute nicht mehr zu, was eben auch der Unkenntnis und Misstrauen in die fehlende eigene globale Wettbewerbstauglichkeit geschuldet ist; erst Recht im Bereich der Videospiele. Womöglich ist über den Ausbau der Datennetzwerke eine Besserung zu erwarten, verbleibt aber in der Sphäre der Spekulation. Neue Medienformate preschen dem Zeitalter direkter Kommunikation mit besser bezahlten Arbeitsplätzen entgegen und man kann hoffen, dass sich diejenige Industrie bei seinen wirklichen Fachkräften bedient, die darum weiß und die diese wie Rohdiamanten behandelt, um ihr ganzes geistiges Vermögen für eine zukünftige sozial kontrollierbare, digitale und menschlichere beeinflussbare Zukunft zu entfalten.

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