Hard West 2

Noch nicht tot

von Hannes Letsch Veröffentlicht in Einblicke, Ice Code Games, Windows — 10 Minuten Lesezeit

©️ Ice Code Games
Entwickler
Ice Code Games
Plattformen
Windows
Erschienen am
04. August 2022

Die Geschichte zu „Hard West 2“ ist allein aufgrund der sogenannten „Key Art“ zum Spiel derart offensichtlich, dass man sich kaum damit aufhalten muss. Eine ganze Gaunergang im Wilden Westen ist darauf abgebildet – und wie es stereotypisch dazu gehört, beginnt das Spiel mit einem Zugüberfall respektive dem Versuch dieser Räuberbande einen solchen durchzuführen. Es bleibt bei einem Versuch, das eigentliche Wild West Setting wird aufgebohrt, übernatürliche bis gespenstische Inhalte werden hinzugefügt: Die Räuberbande wird überrumpelt, denn ein Geisterzug, der ohne Schienen über die Prärie fegt, stiehlt die Seelen aller Räuber, die sich wiederum aufmachen, ihre Seelen wieder zu bekommen. Eine erneute, sich über das gesamte Spiel hinziehende Verfolgungsjagd eines Zuges beginnt. Dass die Handlung Teil der Einleitung ist, deutet bereits darauf hin, dass „Hard West 2“ kein Spiel ist, dass man primär wegen dessen Geschichte erleben sollte. Ähnlich zu Spielen wie „XCOM 2“ (Firaxis Games, 2016) ist die eigentliche Geschichte der Ablauf der rundenbasierten Schießereien auf dem Weg zur Wiedererlangung vollkommener Menschlichkeit. Ehrlicherweise war es aber genau jenes „Key Art“, das ursprünglich die Aufmerksamkeit für das Spiel initiierte, um recht schnell zu erkennen, dass das Werk von Ice Code Games eine strategisch taktische Reise ist – und so auch dieser Artikel.

Hard West 2 - Launch Trailer
©️ Ice Cube Games, YouTube, 2022

Sobald die Kontrolle dem Spieler übergeben wird, hat man die Auswahl aus drei Schwierigkeitsmodi, die weitestgehend das repräsentieren, was man von unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden erwartet: Die leichte Stufe gibt den Protagonisten mehr Lebenspunkte, während die Gegenspieler weniger Schaden verursachen. Im schwersten Modus ist es aufgrund eines komplexeren Trefferwahrscheinlichkeitssystems schwerer die Gegner zu besiegen. Im einfachsten Spielmodus existiert das System in dieser Komplexität nicht, sondern wird auf die Sichtlinie des Schützen reduziert.

©️ Ice Cube Games, 2022

Am ehesten ist hervorzuheben, dass der Albtraummodus ein Rundenlimit pro Gefecht vorgibt. Das darauf besonderen Wert gelegt wird, zeigt sich etwa dadurch, dass die meisten freischaltbaren Errungenschaften sich darum drehen gewisse Gefechte in einer begrenzten Anzahl von Runden abzuschließen. Es handelt sich dabei nicht um einen Vorschlag oder ein optimales Ziel, sondern um ein Erfordernis. Wer also den schwersten aller Modi gerne ausprobieren möchte, sollte zumindest einmal „Hard West 2“ auf dem normalen Spielmodus gemeistert haben.

Charakterentwicklung in einem übernatürlichen Wild West Setting

Die Gang besteht aus sechs verschiedenen Charakteren, die nicht als gleichrangig zu betrachten sind. Es gibt einen Hauptcharakter, der auch die Dialoge des Spiels dominiert: Gin Carter. Er ist der Anführer der Gang, muss allerdings nicht für eine Mission fest eingeplant werden. Es steht dem Spieler frei, aus den sechs Charakteren vier zu einem Team zusammenzustellen. Jeder der Charaktere hat eine eigene, kleine Hintergrundgeschichte, die sich über das Spiel hinweg entfalten kann. „Hard West 2“ ist ein taktisches RPG, spielt allerdings ab und an mit kleinen Schicksalsmomenten, in denen der Spieler eine Wahl treffen und mit den darauffolgenden Konsequenzen leben muss. Beispielsweise kann mehr oder weniger bestimmt werden, welchen Gefährten man eher kennenlernen möchte. Je nachdem, welche Person man eher präferiert, ergibt sich ein unterschiedliches Loyalitätsmuster in der Gang. Nimmt die Loyalität bei einem Charakter zu, erfährt man mehr über die Hintergrundgeschichte der betreffenden Person, sobald man sich dazu entscheidet, ihr am Campfeuer Gesellschaft zu leisten. Dies eröffnet abermals Optionen und Möglichkeiten zum Entdecken neuer Informationen. Loyalität kann so weit tragen, dass die Gefährten in Missionen einem zu Hilfe eilen, wo man andernfalls verschiedene Gegenstände benötigen würde, um die Mission abschließen zu können.

©️ Ice Cube Games, 2022

In solch taktisch versierten, rundenbasierten Spielen wie „Hard West 2“ ist die Verbesserung der eigenen Charaktere oberstes Interesse. Die Charakterentwicklung besteht aus zwei Ebenen: Ausrüstung und Karten. Ersteres ist sehr leicht zu überschauen und zu verstehen. Die Verbesserung der Ausrüstung läuft in klaren, geradlinigen Bahnen ab. Über die drei Kapitel des Spiels verteilt erhält man immer wieder neue Waffen, die sich teilweise in ihren Werten und Fähigkeiten unterscheiden. Zumeist ist sofort einsehbar, welche Waffe in welcher Situation besser einzusetzen ist. Der Versuch von Ice Code Games, dieses eher starre Gebilde etwas aufzulockern, indem gleichaussehende Waffen unterschiedliche Fähigkeiten aktivieren, gelingt teilweise. Ein gutes Beispiel wäre etwa, dass einige Waffen eine einfache Schussmechanik besitzen, während andere eine Trick-Schuss-Möglichkeit bieten, sodass abgeschossene Kugeln von verschiedenen Gegenständen abprallen und weiter Unheil anrichten. In jedem Fall diktiert die Ausrüstung den Spielstil des jeweiligen Charakters. Jedes Mitglied der Gang kann jede Waffe benutzen. Pistole, Gewehr, Shotgun oder Nahkampfwaffe bestimmen, auf welche Distanz operiert wird. Respektiert man die Fähigkeiten, die der jeweilige Charakter mit sich bringt, dann werden präferierte Waffentypen sofort ersichtlich.

©️ Ice Cube Games, 2022

Die interessantere Spielmechanik sind Karten, die primär die Charakterentwicklung bestimmen. Während des Spielverlaufs und dem Meistern der verschiedenen Haupt- und Nebenmission, können Spielkarten erworben werden. Jeder Charakter kann fünf Spielkarten in seiner oder ihrer Hand halten. Jede einzelne Karte beinhaltet einen kleinen „Buff“ (≙ unterstützende Eigenschaft), dem allerdings nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Viel wesentlicher ist das Ziel eine möglichst optimale Pokerhand zu entwickeln. Angefangen von einem Paar passender Karten bis hin zum ultimativen „Royal Flush“. Schließlich möchte man in der Lage sein, vier Charakter zu besitzen, die möglichst mächtig im Kampf agieren können, indem sie alle durch ihren jeweiligen „Royal Flush“ nicht nur die Verbesserung pro Karte erhalten, sondern auch ihre jeweilige Spezialfähigkeit wie auch weitere Vorteile einsetzen können beziehungsweise besitzen.

©️ Ice Cube Games, 2022

Das heißt, dass der Unterschied zwischen einem Paar und einem „Royal Flush“ massiv ist – insbesondere deshalb, weil in der Regel die Möglichkeit die jeweiligen Fähigkeiten zu nutzen wie auch diese wiederum zu verbessern an dieses Kartensystem gebunden sind. Jeder der sechs einzigartigen Fähigkeiten der verschiedenen Charaktere möchte man nicht missen. Sie reichen von der Möglichkeit Feinde zu beschwören bis zu großflächigen Schüssen, die sogar Wände durchdringen. Es lohnt sich zwischen jedem Kampf die Kartensets neu zu adjustieren, was ebenfalls für diese Spielmechanik und das Design dahinter spricht.

Schießen, bangen und durchwursteln

Man reitet als Gang über eine große Spielkarte, die nicht wie in einer „Open World“ jederzeit in allen Bereichen erkundet werden kann. Jedes der drei Kapitel des Spiels repräsentiert einen Bereich, der dann nicht mehr zugänglich ist, sobald das Kapitel abgeschlossen wurde. Die Entwickler möchten, dass der Spieler diese Bereiche mehr oder weniger abgrast und nicht nur den gelben Hauptstory-Icons nachjagt. Schließlich wird die Anzahl zusätzlicher Waffen, Gegenstände und Karten im Inventar sowie die Beziehung zu den verschiedenen Gangmitgliedern auf dieser Spielkarte bestimmt. Kombiniert mit den übernatürlichen Elementen des Spiels erschafft „Hard West 2“ eine eigene Stimmung, die in gewisser Weise bannt, aber weder bedrohlich noch gezähmt wirkt – und dies löblicherweise, ohne auf stereotypische Dämonenwesen und Zombies zu setzen.

©️ Ice Cube Games, 2022

Teilweise frustriert „Hard West 2“, weil ohne Vorwarnung nicht wirklich ersichtlich ist, ob man nach einem überstandenen Kampf eine Verschnaufpause erhält, oder aber noch eine zusätzliche Konfrontation meistern muss. Dadurch, dass die eigenen Charaktere nicht automatisch zwischen Kämpfen ihre Wunden heilen, sondern entweder passende Güter konsumieren oder in einer Siedlung ihre Blessuren verarzten lassen müssen, kann eine Kette an Kämpfen einen auf dem falschen Fuß erwischen. Durch diese höchstwahrscheinlich nicht durch das Spieldesign intendierten Krisen wird das Schwierigkeitsniveau, das im besten Fall stetig ansteigen soll, förmlich zerrupft.

Manch ein Gegner sollte im Übrigen nicht angeschossen werden, denn erstmal die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, kann es sein, dass der initiale Versuch einen Gegner zu erledigen schnell böse endet. Erst dann, wenn eine direkte Eliminierung sicher ist, sollte ein Schuss abgefeuert werden. Das gilt vor allem für Gegner namens „Blackheart“, die zumindest zum Zeitpunkt des Durchspielens eine echte Plage waren, weil sie in einer Fähigkeit zu übermächtig gestaltet sind. Der erste Patch, der Ende August 2022 veröffentlicht wurde, scheint diese Problematik zumindest in einem ersten Schritt adressiert zu haben.

©️ Ice Cube Games, 2022

Ansonsten baut „Hard West 2“ auf einem drei Aktionspunkte-System, das in derartigen Taktische Role-Playing-Games (TRPGs) immer prävalenter wird. Es sind drei Punkte, die für die Bewegung des Charakters sowie die Ausführung von Fähigkeiten verwendet werden können. Eine Bewegung kostet einen Punkt, mach eine Sonderaktion womöglich mehr. Wie die drei Punkte pro Spielzug ausgegeben werden, liegt am Spieler selbst, der alle Entscheidungen auf diesem interaktiven, komplexeren Schwachbrett zieht. Jedes Mal, wenn ein Gegner außer Gefecht gesetzt wird, werden diese drei Aktionspunkte zurückgesetzt, sodass innerhalb einer Spielrunde eine ganze Reihe an Aktionen von einem der vier Gangmitglieder auf dem Gefechtsfeld ausgeführt werden kann. Allerdings sind einige Waffen nicht unendlich oft einsetzbar, vor allem diejenigen, die besonders viel Schaden verursachen. Zumeist besitzen diese eine gewisse „Cooldown“-Zeit, bis sie wieder einsetzbar ist. Wer nicht an Zweitwaffen gedacht hat, zieht dementsprechend den Kürzeren. Wer gut plant und vorausschauend seine Züge zieht, kann letztendlich im optimalen Fall ein Gefecht in einer Runde entscheiden, ohne dass die Gegner überhaupt reagieren können. In Summe ist es ein ausgereiftes und Spaß machendes Spielprinzip, das einfach zu lernen ist, aber schwer zu beherrschen. Das bindet und bildet die Spielmotivation. Mehrschichtige, komplexe Kampfmechaniken existieren somit nicht. Es geht darum, so intelligent wie möglich das, was man in seinem vierer Team besitzt, einzusetzen.

©️ Ice Cube Games, 2022

Taktische Role-Playing-Games sind nicht tot, genauso wie die Protagonisten von „Hard West 2“. Das Videospiel vom Indie Entwickler Ice Code Games ist angesichts des Kaufpreises zu empfehlen. Sofern man gerne 100 Prozent des Spiels erkunden und erreichen möchte, sind 25 Euro für dreißig Stunden Spielzeit ein fairer Preis. Die im Spiel vorgestellten Iterationen bekannter Spielmechaniken funktionieren und passen thematisch zum selbstgesteckten Setting, das oberflächlich Altbekanntes abbildet. Es hält aufgrund der Untermischung von Übernatürlichem einen kleinen Twist bereit, der nicht so oft bedient wird. „Hunt: Showdown“ (Crytek, 2019) wäre eines der eher seltenen Beispiele, die beweisen, dass Dämonisches und der Wilde Westen harmonieren können, und dabei etwas kreieren, das durch Entschleunigung mehr Immersion schafft als das ein oder andere, generische Abballern von Zombies.

Ice Code GamesWindowsAbendprogramm

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