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Rayman Legends

„Rayman Origins“ von Ubisoft Montpellier brach vor gut zwei Jahren wie eine Horde amphetamingetränkter Kleinmonster über das „Jump ’n’ Run“-Genre herein. Ob und inwiefern die Entwickler aus Montpellier das Konzept erfolgreich weiterspinnen konnten und den Vorschusslorbeeren gerecht wurden, erfährt man in drei durchaus mit ein wenig Euphorie geschriebenen Textabschnitten.

©️ Ubisoft, 2014
Entwickler
Ubisoft Montpellier
Plattformen
PS3, Xbox360, Vita, Wii U, PS4, Xbox One, Windows
Erschienen am
20. Februar 2014

Verschwenderisch schön

von Hannes Letsch — 8 Minuten Lesezeit

„Rayman Origins“ von Ubisoft Montpellier brach vor gut zwei Jahren wie eine Horde amphetamingetränkter Kleinmonster über das „Jump ’n’ Run“-Genre herein. Das Studio überraschte mit einem Spiel, für das das Wort „wundervoll“ passend erscheint: „Rayman Origins“ (Ubisoft, 2012) ist Spielspaß, ein zeitloser Klassiker, der dem Platzhirsch „Super Mario“ (Nintendo, zuletzt 2013) die Stirn bot. Rayman ist somit eines der neuen Schwergewichte im Bereich des „Jump ’n’ Runs“. Ob und inwiefern die Entwickler aus Montpellier das Konzept erfolgreich weiterspinnen konnten und den Vorschusslorbeeren gerecht wurden, erfährt man in drei durchaus mit ein wenig Euphorie geschriebenen Textabschnitten.

Rayman Legends - Gameplay Trailer
©️ Ubisoft, 2014

Backpfeiffe bitte

Der narrative Kontext des Spiels ist schnell erzählt: 100 Jahre sind seit den Ereignissen aus „Rayman Origins“ vergangen. Rayman und Kollegen haben die Zeit genutzt, um im wahrsten Sinne des Wortes ausgiebig zur Ruhe zu kommen. Sie haben die gesamte Zeit über geschlafen. Während dieser schier endlosen Siesta haben sich die besiegten Albträume erneut zusammengeschlossen, vermehrt und sich zusätzlich neue Welten unter den Nagel gerissen. Dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten ist die Aufgabe des Spielers. Die Geschichte ist nicht sonderlich komplex oder ausgefeilt; Für ein sogenanntes „Jump ’n’ Run“ ist es allerdings ausreichend, denn solch ein Spielkonzept generiert den Unterhaltungsfaktor in ganz anderen Bereichen.

©️ Ubisoft, 2014

„Rayman Legends“ bombardiert das Auge in einer geradezu verschwenderischen Art mit Farbexplosionen auf dem Bildschirm. Die künstlerische Gestaltungen zählt zum Besten, was bisher an Spielen auf der aktuellen Konsolengeneration zu bestaunen ist. Egal, ob man unter Wasser schwimmt, den mexikanischen Tag der Toten feiert oder sich durch die antike, griechische Sagen- und Götterwelt schlägt, es gibt mehr künstlerische Feinheiten zu bestaunen, als der zerebrale Aufmerksamkeitspuffer überhaupt ins Langzeitgedächtnis durchsickern lassen kann. Der handgezeichnete, zweidimensionale Stil überzeugt aber nicht nur durch Phantasie beziehungsweise Kreativität, sondern auch spieldynamisch und -mechanisch hat das französische Studio weitere Feinheiten eingeschleust: Dynamische Beleuchtungen und dreidimensionale Effekte sowie eine überaus präzise Steuerung fügen sich in das farbenfrohe Spektakel ein.

Spielspaß par excellence

Im Vergleich zum Vorgänger hat sich die grundsätzliche Steuerung nicht geändert: Springen, hüpfen, ordentlich zuhauen und mit Propellerhaaren herumgleiten ist immer noch genauso möglich wie bisher auch. Dennoch haben sich die Entwickler nicht auf den eigentlich verdienten Lorbeeren ausgeruht. Mit genug Anlauf rast Rayman Wände entlang und kann nun neuerdings auch schleichen, was er manchmal sogar notwendig ist, um im Spielverlauf fortzuschreiten. Die stilechten Musiklevel sind die populärste Neuheit des Spiels. Diese vereinen das Guitar-Hero Prinzip mit „Jump ’n’ Run“ Elementen und sind genauso unterhaltsam, wie es sich liest: Die Verbindung von Hören und Sehen schafft ein symbiotisches Spielgefühl. Mit ein bisschen Übung und einem guten Gehör ist es sogar möglich, einige Level komplett mit verbundenen Augen durchzuspielen, so präzise sind die Steuerung und das Timing der auf Sprünge abgestimmten Musik. Später freischaltbare 8-Bit Interpretationen einiger Level fordern sogar ein, dass man sich eher auf das Gehör als auf die Augen verlässt.

Rayman Legends - Castle Rock Gameplay Footage
©️ Ubisoft, 2014

Insgesamt sechs Spielwelten werden durch Gemäldegalerien dargestellt und jede dieser wird durch solch ein Musiklevel gekrönt. Einige Level sind durchaus anspruchsvoll gestaltet, sodass man sich auf eine etliche Anzahl von Neuversuchen einstellen muss. Die Frustration bleibt aber trotz Trial & Error Prinzips begrenzt, weil es die Entwickler verstehen in den entscheidenden Momenten die Frustrationsquelle zu kappen und durch Musiklevel, neue, auswechselbare, charismatische Charaktere und anderes zu belohnen. Jedes einzelne Musiklevel passt sich thematisch in die optische wie auditive Tonalität der jeweiligen Galerie ein. Ebenfalls neu dabei ist der herumschwirrende, grinsende Murphy, ein kleiner Helfer, der, wenn man so will, sich durch die Levelarchitektur frisst. Seile zerbeißen, um Fallen auszulösen oder zu entschärfen, Gegner kitzeln, sodass diese keine Gefahr mehr darstellen, all das leistet Murphy, damit man sich leichter durch die Welten boxt. Murphy selbst war zunächst als ein Wii U exklusives Feature geplant, sollte aber nach dem langen Hin und Her und Erkenntnis, dass es sich hierbei um ein spielmechanisch wichtiges Element handelt, auch für die Xbox oder Playstation anstandslos funktionierend beibehalten. Diese Idee ist eine Bereicherung der ohnehin schon runden Spielmechanik.

Die dritte und letzte Neuerung nennt sich „Kung Foot“ und ist die Überraschung des Spiels. Das Konzept ist simpel: Man tritt in Zweiermannschaften gegeneinander an und versucht den Ball in diesem Mini-Fußballspiel ins gegnerische Tor zu bugsieren . Mehr als ein Bonbon ist dieser Modus allerdings nicht, puscht maximal das Gesamtwerk in eine gewisse kompetitive Dimension und dürfte gelegentlich als Anhängsel für Abwechslung im stetigen Hüpfen und Rennen sorgen.

Kleinlinge und Lums

Um weitere Level spielen zu können, müssen sogenannte Kleinlinge gesammelt werden. Bis zu acht Stück sind in jedem Level versteckt zu finden. Allerdings hat der Spieler nicht immer Zeit sich ganz genau umzusehen, um die um Hilfe rufenden Kleinlinge in der Nähe aufzuspüren. Das Spiel bietet stellenweise echte Hektik, sodass man sich in einem stetigen Voranhetzen wiederfindet. Ab und an ist die Abfolge der Knopfdrücke so rasant, dass man im Nachhinein kaum glauben kann, dass man den Parcours und seine Hindernisse und Gegner eigenhändig durch exakte Knopfdruckabfolgen gemeistert hat. Entweder sitzt einem ein großer, Bildschirm füllender Gegner im Nacken, oder der Spieler darf einem Fiesling hinterherjagen. „Rayman Legends“ spielt sich flott, was dem Aufspüren der versteckten Kleinlinge gelegentlich schadet. Sammeln oder besser Befreien kann man nicht nur die erwähnten Kleinlinge, sondern auch sogenannte Lums. Sind genug gesammelt worden, schalten sich neue spielbare Charaktere frei und für Kleeblätter als Belohnung am Ende jedes Levels bekommt man Rubbellose spendiert, die uns mit etwas Glück weitere 50 angepasste Level aus „Rayman Origins“ bescheren. In diesen darf man sich dann nochmals in den Originalen austoben.

©️ Ubisoft, 2014

Bis zu drei Spieler können sich im laufenden Spiel ein- und ausklinken. Diese Unterstützung ist vor allem beim Sammeln sehr willkommen oder bewahrt den sonst allein Spielenden vor so manchem Tod. Die Murphy Level fallen dagegen etwas komplizierter aus: Spielt man zu zweit auf der Wii U, kann einer der zwei Spieler die Rolle von Murphy übernehmen, was in Sachen Teamwork und Spielmechanik nicht besser ausgestaltet sein könnte. Abseits der Wii U oder mit mehr als zwei Spielern kann jeder Murphy befehligen, was zu einem gewissen Chaos führen kann. Ab und an schickt man sich somit gegenseitig reihenweise in den Tod, was dann für Erheiterung sorgt, wenn man nicht gerade Rekordzeiten im Bewältigen der Level nachjagd.

Abseits des Schwärmens

Über „Rayman Legends“ zu schwärmen ist für „Jump ’n’ Run“ Affine kein Problem. Die halsbrecherische Abwechslung, ein gelungener Soundtrack loben oder packende Bosskämpfe zeichnen das Spiel aus, weil sie sowohl abwechslungsreich als auch sehr schön inszeniert sind. Das Spiel sei jedem Interessierten ans Spielerherz gelegt: Es ist ein Muss für alle, die Hüpfen und Springen als Spielmechanik mögen. Es verkörpert in dieser Hinsicht die Definition von Spielspaß und obendrein ist „Rayman Legends“ nach langer Zeit ein ernstzunehmender Konkurrent zu Nintendos „Super Mario Bros.“. Das bringt zumindest gefühlt etwas mehr Dynamik in die fast schon tot geglaubte Welt des „Jump ’n’ Runs“. So einfach das Spiel auch in seiner Grundmechanik ist, ist es ein schlüssiges, rundes, vollkommenes Spiel, das all das, was es verspricht, auch hält. Langfristig dürfte das Werk somit optisch wie auditiv und spielmechanisch nicht wirklich altern.

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