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Star Wars: BattlefrontDie dunkle Bedrohung

Hannes Letsch @Tohanwabones

Entwickler
DICE
Plattformen
PS4, Xbox One, Windows

Es sind nur noch wenige Monate bis zum Kinostart des nächsten, nunmehr siebten Films der Star Wars Saga – und genau dasselbe gilt auch für den neuen Teil der Videospielreihe „Star Wars: Battlefront“. Allerdings hat sich seit dem zweiten Teil, „Star Wars: Battlefront 2“ aus dem Jahre 2005 (Pandemic Studios) einiges getan: Im Jahr 2006, als die Welt und der Weltraum noch in Ordnung für Fans von der Reihe war, sollte es sogar noch einen dritten Teil geben, mit zahlreichen Verbesserungen und neuen Features – nur das Warten blieb vergeblich, denn „Star Wars: Battlefront 3“ wurde nie veröffentlicht. Nach dem Verkauf von Lucas Film an Disney im Jahr 2012 lizenzierte man die Entwicklungsrechte für alle Spiele des Franchises „Star Wars“ an Electronic Arts. Der nun bald erscheinende dritte Teil von EA ist jedoch nicht eine Fortsetzung, die auf Pandemic Studios‘ Arbeit baut, sondern vielmehr ein Reboot, wie es in letzter Zeit so häufig durchgeführt wird – „Star Wars: Battlefront“.

Video abspielenStar Wars Battlefront - Multiplayer Gameplay | E3 2015 Walker Assault on Hoth

SpielspaßDas bisher Funktionierende

Egal ob es die Filme oder die Spiele sind; das Thema Star Wars verlangt atmosphärische Dichte auf höchstem Niveau. Damit glänzte „Star Wars: Battlefront 2“ vor zehn Jahren im Rahmen seiner Möglichkeiten und das sollte auch neuesten Teil nicht fehlen – alles andere würde das Thema verfehlen. Um solch eine Dichte, ein Fesseln an den Bildschirm zu garantieren, bedarf es allerdings mehrere Komponenten: Detaillierte, effektvolle Grafik, widererkennbare Atmosphäre, gute Spielmechaniken und eine packende Geschichte. Ersteres wird in jedem Fall erfüllt sein, soviel ist jetzt schon nach den Alpha Tests klar. Die optisch ansprechenden Explosionen, blitzschnelle Laserschüsse und so weiter sind auch für das Ohr ein Schmaus, genauso die Hintergrundmusik; DICE hat sich hier schon jetzt absehbar richtig ins Zeug gelegt und schafft es, in einem Infanterierahmen das gewünschte „Star Wars Feeling“ rüber zu bringen. Die Infanterie hervorzuheben ist deshalb wichtig, da die Spielmechanik für Flugobjekte zumindest vergangenen Monat noch mehr als ruppig zu sein schienen.

Was in der Luft (oder im Raum) noch nicht so ganz funktionieren mag, läuft auf dem Boden bereits flüssig: Die Spielmechanik, das heißt die Steuerung des eigenen Kämpfers im Gefecht, ist nachvollziehbar, man könnte es auch griffig nennen (Spieler aktueller Teile von „Battlefield“ werden sich fast wie zuhause fühlen) und fügt durch die Möglichkeit des Hin- und Herwechselns zwischen erster und Schulterperspektive neue taktische Möglichkeiten hinzu, denn durch die Sicht auf eigenen Soldaten erschließt sich eine fast 360°-Rundumsicht. Der Überblick über das Schlachtfeld wird dadurch beträchtlich erweitert. Hinzukommt eine löbliche Nähe zu den Schlachten, die in den bisherigen sechs Teilen der Star Wars Saga im TV oder im Kino bestaunt werden durften. So spielt sich beispielsweise ein Kampf auf dem Planeten Endor nun genauso hektisch, wie er auch filmisch dargestellt wird. Die verwinkelten, von Farnen und riesigen Bäumen dicht bewachsenen Gebiete Endors, kombiniert mit der Möglichkeit sowohl in den Bäumen als auch auf dem Boden zu kämpfen, erzeugt eine Hektik und gewollte Unübersichtlichkeit, die auch schon in den Filmen zum Greifen nahe war und Lust auf mehr macht.

Ebenso soll es, wie auch schon im Vorgänger, die Möglichkeit geben, als Darth Vader oder andere, ähnlich einprägsame Charaktere spielen zu können. Verdiente Soldaten, die besonders erfolgreich agiert haben, erfahren im Spiel eine Aufwertung, sodass sie anschließend, je nach Fraktion, in die Rolle des übermächtigen Jedis oder die Haut Darth Vaders schlüpfen dürfen, um fast unbesiegbar die anstürmenden Gegner zu liquidieren. So spannend sich dieser Fakt auf den ersten Blick auch liest, Vorbehalte gegenüber dieser Idee stellen sich recht schnell ein, denkt man beispielsweise an ähnliche Belohnungssysteme, die man beispielsweise in „Call of Duty“ beobachten kann. Ja, man möchte den Mann mit der Maske in Aktion sehen und auch spielen können und ja, es wird ein Highlight des Spiels sein. Dennoch ist die Gefahr groß, dass dieses Highlight zu einer Bestrafung nicht erfolgreicher Spieler im doppelten Sinne verkommt: Auf der einen Seite bleibt das Erfolgserlebnis durch die erfolgreiche Nutzung der Macht aus, auf der anderen Seite auch die Macht einer prägnanten Person auf dem Schlachtfeld. Da keinem Spieler ein solches Glücksgefühl verwehrt bleiben sollte, muss DICE einen Weg finden, dem entgegenzuwirken, um interessierte, jedoch im Genre nicht versierte, Fans nicht zu enttäuschen.

LangeweileErnüchterung auf den zweiten Blick

Bedeutet dies also nun, dass der Spielspaß mit einem ist? Nicht wirklich, denn führt man EAs und DICEs Werk gegen „Star Wars: Battlefront 2“ ins Feld oder erinnert sich an die schon kursierende Skepsis an einem umfangreichen Spiel wegen der eher kurzen Entwicklungszeit, so klingt im Moment das kommende Werk sogar noch nach viel weniger als ohnehin schon befürchtet wurde: Anstatt 64 Spielern können sich nun nur noch maximal 40 Spieler in einem Kampf tummeln – dabei soll Battlefront doch gewaltige Schlachten verkörpern. Übergänge zwischen Boden- und Luftkämpfen, wie sie etwa 2006 als Verbesserung des alten, nie erschienen „Star Wars: Battlefront 3“ versprochen wurden, wird es nicht geben. Weltraumschlachten fehlen gänzlich abseits von uninspirierten, eher noch schnell implementierten Raumschiffballereien und das abgespeckte Szenario „Rebellen vs. Imperium“ ohne eine dritte oder vierte Fraktion, wie etwa die Konföderationen, ernüchtern eher. Zudem soll es auch nur vier Planeten geben, was summa summarum für wenig Vielfalt spricht. Schlachten auf Raumkreuzern oder Coruscant oder ähnlich naheliegende Szenarien wurden entweder nicht bedacht oder konnten aufgrund der kurzen Entwicklungszeit des Spiels (frühestens seit Mai 2013, siehe Heise) nicht berücksichtigt werden. Werden die Spielemodi ähnlich uninspiriert und einfach aus dem Vorbild „Battlefield“ übernommen, dürfte das dem Spiel noch zusätzlich schaden. Ein Alleinstellungsmerkmal wäre nebst den eh als Rückschritt empfunden Ankündigungen seitens EA und DICE nur schwer auszumachen und das Spiel würde höchstwahrscheinlich zur grauen Maus verkommen, etwas, was eigentlich durch das immense Potential, das das Universum bietet, schier undenkbar erscheint.

So schön die Schlachten in der Luft auch aussehen, sie wirken dennoch losgelöst vom Geschehen auf dem Boden.

EinschätzungenLaserschwert + Battlefield = Battlefront?

„Star Wars: Battlefront“ lässt den geneigten Interessenten mit gemischten Gefühlen zurück. Die Grafik und der Sound sind ansprechend aber gleichsam scheinen sogar die Kampffelder wohlmöglich unter der opulenten Optik zu leiden, weil die üppige Grafik selbst die Schranke für die Größe der Karte determiniert. Zudem spricht man eigentlich mit dem Begriff „Battlefront“ von Schlachten und nicht von Kämpfen kleinerer Truppenverbände. Es bleibt zu hoffen, dass das Fehlen von Spielern durch eine gute K.I. zahlentechnisch kompensiert wird, um der Gefahr des Verlusts von dichter Schlachtatmosphäre, die nicht nur typisch für die Reihe, sondern das ganze Universum ist, entgegen zu wirken. Im Moment ist das Ende des Jahres kommende Werk von EA und DICE nicht als eine geistige Fortsetzung zu betiteln, sondern als ein kompletter Reboot einer Spielreihe, das im schlimmsten Fall zu einem „Battlefield mit Lichtschwertern“ zerfallen könnte. Die Entwickler kommunizierten bereits, dass sie versuchen, Spielern einen einfacheren Zugang zum Spiel zu garantieren. Doch können einfachere Spielmechaniken und das damit eher weniger gebrauchte Können auch zu mehr Spaß führen? Vergleicht man beispielsweise hierzu verschiedene Shooter und deren Popularität anhand der Spielerzahlen auf Valves Plattform Steam, so fällt auf, dass „Counter-Strike: Global Offensive“ (Valve, 2012), ein eher auf Können und Fähigkeiten des Spielers abzielendes Spiel, weit vor „Call of Duty: Advanced Warfare“ (Sledgehammer Games, 2014) oder „Battlefield Hardline“ (Visceral Games, 2015) liegt, die weniger auf taktisches Feingefühl setzen und damit zumindest als „einfachere“ Spiele bezeichnet werden können. Man sollte hier durchaus skeptisch bleiben und abwarten, wie die schwedischen Entwickler einfachen Einstieg in „Star Wars: Battlefront“ umsetzen werden. Der Weg über einfachere Spielmechaniken könnte hier durchaus auch zum Nachtteil des Spiels avancieren.

Grafik ist nicht alles -  Zum Start des Spiels werden leider nur insgesamt vier Planeten zur Verfügung stehen.

Einige Kopfschmerzen bereitet auch die Tatsache, dass DICE seitens EA nur wenig Entwicklungszeit für das Spiel eingeräumt bekommen hat. Frühestens seit Mai 2013, wohlmöglich aber noch etwas später hat die Entwicklung des Spiels begonnen; für ein völlig neues Franchise, das im Bereich der Blockbuster mitspielen soll, viel zu wenig Zeit, um ein umfängliches, ausgereiftes Werk präsentieren zu können. Im Zuge des Kinostarts der siebten Episode Ende dieses Jahres scheint das Ganze zu sehr auf PR getrimmt zu sein, wodurch das Spiel als solcher ein möglicherweise zu kurz kommt. Das Desaster „Battlefield 4“ (DICE, 2013), das unfertig auf den Markt geworfen wurde, kann noch nicht ausgeschlossen werden, obwohl die Demos bisher im Beriech der Infanterie ein gegenteiliges Bild zeichnen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt mit den angekündigten DLCs, die das Ganze voran bringen sollen. Hoffentlich bestehen diese nicht nur aus Skins und anderer Kosmetik, sondern liefern im Nachhinein vielleicht das ein oder andere bindende, herausragende Element, das „Star Wars: Battlefront“ nicht zu einem etwas anderen „Battlefield“ verkommen lassen. Sicherlich finden Shooter immer ein breites Publikum, wobei dieses mittlerweile eher gelangweilt von der Innovationsflaute in diesem Videospielgenre jährlich größtenteils von einer Auskopplung zur anderen hüpft, in der Hoffnung, doch etwas Neues entdecken zu können. Dennoch wäre es wohlmöglich eine bessere Idee gewesen, hätte man das nun mit Sicherheit abgesagte Projekt „Star Wars 1313“ weiter verfolgt. Die Hoffnung bestand zuletzt, ehe im Januar dieses Jahr der letzte Sargnagel ins Holz gehauen wurde. Es wäre eine gelungene Abwechslung gewesen, versuchte „Star Wars 1313“, ein düsterer Third-Person-Shooter einen etwas anderen Weg zu beschreiten als all die anderen Videospiele in diesem Universum zuvor. So erhält der geneigte Interessent nun aber höchstwahrscheinlich einen eher schmalspurigen, uninspirierten und damit langweiligen Neustart eines „Battlefield“ oder „Call of Duty“ mit etwas anderem Aussehen.

Video abspielenStar Wars 1313 - E3 Gameplay Trailer